Lebenslabyrinth - meine Geschichte

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28.Dez. 2013

...nun habe ich mich selber erst einmal eine Weile als Leserin auf dieser kommunikativen Plattform getummelt, um mich mit dem Gedanken, meine Lebensgeschichte in die Öffentlichkeit zu tragen, vertraut zu machen. Nach langem innerem Ringen will ich das Schweigen brechen und hoffe auf Unterstützung durch interessierte Leser, die mir Rückmeldung geben können, zu dem was und wie ich mein Erleben, meine Erfahrungen und nicht zuletzt meine Musik beschreibe. Seit Sommer will es aus mir heraus und ich kann einfach niemand aus meiner Bekanntenebene damit „belasten“, vielleicht finde ich eher hier Menschen, die mir mit rechtem Gespür Mut machen, tatsächlich durch Schreiben einen Selbstfindungsprozess zu erleben.  Im Sommer  hatte ich noch Hoffnung, einem Menschen alles anvertrauen zu können, doch das hat sich zerschlagen… aber das ist schon der Anfang der Geschichte…

 

 

Prolog

Nachts  nach dem Besuch eines Klavierabends  am  24.Juli 2013:

Die Hand greift schon nach der Beifahrertür im Auto - nach langem Schweigen - und dann mein letztes mehr gehauchtes als gesprochenes „Entschuldige“. Endlich raus. „Komm gut heim“ -  seine Worte zum  Abschied sind noch vernehmbar als die Tür zuklappt  und… nur ein paar Schritte zum eigenen Auto,  wie im Trance … ja, ich schaffe es heim - es ist 1 Uhr nachts -fast eine Stunde haben wir im Auto nebeneinander gesessen,  ich saß wie versteinert da und war unfähig, irgendetwas zu den Vorwürfen zu erwidern. Wie sollt ich fähig zum Sprechen sein nach diesem Schock, nach dem mir von ihm vorgehalten wurde, was ich getan hab? Es hämmert in meinem Kopf, an Schlaf ist nicht zu denken und so versuche ich einen klaren Gedanken als Mail zu verfassen, brauche bis 4uhr morgens dazu…

 

Viele Jahre zuvor,  Melle, November 1999

Ein Geräusch lässt mich gedanklich wieder in der Gegenwart auftauchen,  ein Schreiblock war auf den Tisch heftig abgelegt worden. Meine Therapeutin scharrt unruhig mit den Füßen…  Hab ich sie wieder mal - im Schweigen versunken -  „auf die  Palme“ gebracht? Derweil wollt ich es selbst ganz anders, ja (!)  - reden -, alles sagen, was auf der Seele brennt, aber ich brachte kein Wort, geschweige einen zusammen-hängenden Satz raus.  Wie viel Tränen hab ich hier schon in den Therapiestunden auf diesem Stuhl geweint, an dem ich mir immer  wie angeklebt vorkam. Und in meinem  Innern tobt wieder das  Gefühl, als wenn ein zorniges Gesicht auf mich zukommt und mich anschreit „Rede!“  -warum lässt mich dieses Gefühl immer so entsetzlich erstarren?

Wieder zuhause, setze ich mich ans Klavier,  versuche meine innere Balance durch Spiel und Üben  zurück zu gewinnen, mit der op.109 von Beethoven, die ich im Studium schon vor vielen Jahren erarbeitet hatte.  Nebenher recherchiere ich für ein geplantes Beethoven-Kammerkonzert  viele Texte … hochinteressant!  Aber  ist es  nur Zufall, dass ich in einem Sammelband mit Musikerbriefen  auf die allegorische Traumerzählung von Franz Schubert aus dem Jahre 1822 stoße…? Beim Lesen  wird mir bewusst, warum mich vor ein paar Jahren, damals 31jährig, sein zweites Impromptu aus D946 seines Nachlasses, das er in seinem letzten  Lebensjahr 1828 komponiert hat, so tief im Innern berührt hat, vor allem der Mittelteil in as-moll, der einen schwebenden transzendenten Klangcharakter hat, ließ mich beim Einstudieren oft weinend  erschauern … ja, er kommt mir wie ein „Seelenverwandter“ vor, wenn ich diese Zeilen lese…

 

Schuberts allegorische Traumerzählung

Den 3 ten July 1822.   Mein Traum

Ich war ein Bruder vieler Brüder und Schwestern. Unser Vater und unsere Mutter waren gut. Ich war allen mit tiefer Liebe zugethan. — Einstmahl führte uns der Vater zu einem Lustgelage. Da wurden die Brüder sehr fröhlich. Ich aber war traurig. Da trat mein Vater zu mir und befahl

mir, die köstlichen Speisen zu genießen. Ich aber konnte nicht, worüber mein Vater erzürnend mich aus seinem Angesicht verbannte.

Ich wandte meine Schritte und mit einem Herzen voll unendlicher Liebe für die, welche sie verschmähten, wanderte ich in ferne Gegend. Jahre lang fühlte ich den größten Schmerz und die größte Liebe mich zertheilen. Da kam mir Kunde von meiner Mutter Tode. Ich eilte sie zu sehen und mein Vater von Trauer erweicht, hinderte meinen Eintritt nicht. Da sah ich ihre Leiche.

Thränen entflossen meinen Augen. Wie die gute alte Vergangenheit, in der wir uns nach der Verstorbenen Meinung auch bewegen sollten, wie sie sich einst, sah ich sie liegen. Und wir folgten ihrer Leiche in Trauer und die Bahre versank. — Von dieser Zeit an blieb ich wieder zu Hause.

Da führte mich mein Vater wieder einstmahls in seinen Lieblingsgarten. Er fragte mich ob er mir gefiele. Doch mir war der Garten ganz widrig und ich getraute mir nichts zu sagen. Da fragte er mich zum zweitenmahl erglühend:

ob mir der Garten gefiele? — Ich verneinte es zitternd. Da schlug mich mein Vater und ich entfloh. Und zum zweitenmal wandte ich meine Schritte, und mit einem Herzen voll unendlicher Liebe für die, welche sie verschmähten, wanderte ich abermals in ferne Gegend. Lieder sang ich nun lange, lange Jahre. "Wollte ich Liebe singen, ward sie mir zum Schmerz; Und wollte ich wieder Schmerz nur singen, ward er mir zur Liebe.

So zertheilte mich die Liebe und der Schmerz.

Und einst bekam ich Kunde von einer frommen Jungfrau, die erst gestorben war. Und ein Kreis sich um ihr Grabmahl zog, in dem viele Jünglinge und Greise auf ewig wie in Seligkeiten wandelten. Sie sprachen leise, die Jungfrau nicht zu wecken. Himmlische Gedanken schienen immerwährend aus der

Jungfrau Grabmahl auf die Jünglinge wie leichte Funken zu sprühen, welche sanftes Geräusch erregten. Da sehnte ich, mich sehr auch da zu wandeln. Doch nur ein Wunder, sagten die Leute, führe in diesen Kreis. Ich aber trat langsamen Schrittes, innen Andacht und fester Glaube, mit gesenktem Blicke auf das Grabmahl zu, und ehe ich es wähnte, war ich in dem Kreis, der einen wunderlieblichen Ton von sich gab; und ich fühlte die ewige Seligkeit wie

in einen Augenblick zusammengedrängt. Auch meinen Vater sah ich versöhnt und liebend. Er schloß mich in seine Arme und weinte. Noch mehr aber ich.

Franz Schubert.