Lebenslabyrinth - meine Geschichte

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 Teil 1

28.Juli 2013

Die Musik dröhnt mir ins Ohr, ja sie hat Power und ich liebe diese Passage, egal, ob ich sie abends auf dem Sofa oder wie jetzt, bei Tempo140 über die Autobahn in mich „aufsauge“. Einen der beiden Ministöpsel hab ich mir gewagt ins Ohr zustecken zur Unterdrückung der tempobedingten Fahrgeräusche… !Da kommt er, der verminderte Septakkord in fallenden Umkehrklängen, abwärts über die Tasten, parallel in beiden Händen zu spielen, dann mit den Händen aus entgegengesetzter Richtung kommend, umbraust wie Meeresgicht von 64tel Läufen  - für geübte Spieler kein Problem, aber sie wirken gewaltig aufwühlend und das ist es, was mich begeistert erschauern lässt, diese Urgewalt, wie ein Aufschrei im freien Fall… ich selber würde so gern eine ganze Menge an Erlebten mir aus der Seele schreien, deshalb spiele ich diese Takte wie magisch angezogen auf dem Klavier, fiebere dieser Stelle entgegen, da ich‘s selber mit dem Schreien nicht schaffe, umso befreiender auf den Tasten zumindest zeitweise für mich… Was, bzw. wer ist der Auslöser dieses – meines - emotionalen Ausbruchs? Oh, Claus! - ich habe dich sehr verletzt, du aber auch mich! Was wissen wir eigentlich voneinander?

 

 

 An: Claus

Datum: 25. Juli 2013, 4:11 Betreff:  Entschuldigung

Hallo Claus,

es ist mir bewusst, dass es eigentlich keine Entschuldigung gibt für mein Verhalten, dass ich selber auf meine innere Zerrissenheit zurückführe. Ich hatte gehofft, dass in diesem Sommer "der Knoten platzt" und ich alles Belastende (in Bezug auf unehrlicher Beziehung) endlich über Bord werfen kann.

Vielleicht hast Du herausfinden wollen, was es mit meiner Verschwiegenheit auf sich hat und hast deshalb, wie Du sagst, ja offensichtlich „nicht versteckt-persönliche", aber davon meinerseits naiv nichts ahnende, Seiten in dem Chatroom aufgesucht. Aber mein Nicht-einfach-reden-können hat mehr was mit meiner familiären (traumatisierten) Herkunft zu tun und wohl eher in der Kompensation was mit meinem unehrlichen Verhalten. Die Verletzung, die ich Dir angetan hab, ist sicher unverzeihlich. Aber das, was ich mit Dir kommuniziert habe, habe ich nie "als Spiel" angesehen, sondern war von echtem Interesse geprägt, Dich liebend, wenn auch mit  Ängsten. Und ich wollt es schaffen zu reden mit Dir, und nicht zu schreiben, obwohl ich es besser kann, vielleicht hätte ich es tun sollen als ersten Schritt.

Das musst ich jetzt doch noch loswerden nach meinem Lähmungszustand heut um Mitternacht, entschuldige und LG, Dorehn.

 

Liebe Pia-Sophie,                                               Osnabrück, 27.Juli 2013

Entschuldige, dass ich nicht ans Telefon gegangen bin, ich sah deine Nummer…

In den wenigen Tagen hier in Osnabrück habe ich mich in die Arbeit gestürzt - renovieren, schaffen, die Küche oben vorrichten - schwitzen in der Hitze der Sommertage. Auch Mirjam ist für ein paar Tage aus Berlin gekommen, sie erwartet Besuch aus Irland, so dass ich genügend positive Ablenkung hab. Aber in den Momenten des Alleinseins überwältigt mich Sehnsucht, Trauer, Scham… egal was ich mache, ich spüre, da ist immer „jemand“ neben mir…und es tut mir gut dieses Gefühl, auch wenn es mir Tränen in die Augen treibt…

Was ist und was war los mit mir? Warum ist mein Leben so aus den Fugen geraten? Kann ich es mir selbst, Dir, geschweige meinen Kids oder irgendjemand überhaupt erklären? So eben mal nicht. Ich spüre, dass mir endlos viele Gedanken im Kopf kreisen, nicht erst seit ein paar Tagen, nein lange schon, die nur auf ein Ventil warten, dass sich öffnet… Ja meine Seele schreit regelrecht nach Offenbarung! Deshalb will ich mit Claus in Verbindung bleiben, in der  Hoffnung, dass er mich verstehen kann. Momentan kann ich nicht sagen, warum, es ist nur so ein Gefühl… und wenn ich Dich dabei im Unklaren lasse, dann deshalb, weil ich mit „Ihm“ erst mal ins Reine kommen muss. Entschuldige bitte mein Verhalten! Dorehn

 

27.7. Betreff: dein Befreiungsschlag

Hallo Claus,

wenn ich dir noch mal schreib, dann aus dem Grund, dass ich, wie ich es schon zum Abschied gesagt hab, Dir im Grunde dankbar sein muss, für den „Schlag ins Gesicht“. Er saß und hat mir mein derzeit unerklärliches Verhalten klar vor Augen geführt. Vielleicht hätte aber „frau“ auf deine „Spionageaktion“ anders reagiert, vielleicht eher heftig mit Wut u. Empörung, aber für  mich war es wie ein Befreiungsschlag, wenn auch sehr beschämend, ich wollt ja raus aus dieser ganzen Affären-Geschichte, konnte es aber noch nicht… und wenn ich versuch, meine lähmende Reaktion auf deinen „Erkenntnis“-Schlag zu deuten, dann war es wohl das Gefühl: da hat sich tatsächlich mal Einer wirklich interessiert für mich und ich hab ihn zutiefst verletzt, (auch wenn mir klar ist, dass deine Aktion nicht  loyal gewesen ist und eigentlich auch der Entschuldigung bedarf). Ich will mich hier jetzt nicht weiter „auslassen“, weiß ja auch gar nicht, ob Du es überhaupt liest. Mein Wunsch, dass wir per Mail im Kontakt bleiben könnten, hab  ich Dir gesimst.  Werde aber, wenn deinerseits keine Reaktion kommt, nicht mehr schreiben. Klärungsbedarf wäre sicher beiderseits, meinerseits wär ich aber froh,  einem „offenen Ohr“ gegenüber mir mal vieles „von der Seele“ schreiben zu können.

LG, Dorehn

 

Liebe P.-S.,                                      27.7.2013                                                                                                      

wenn ich dich als Kürzel schreib, hab ich gerade das Gefühl, dass es passender ist, denn ich sehe in Dir momentan eher ein „post scriptum“ (schmunzel!)... erklärst Du mich für verrückt?

In der Vergangenheit habe ich Dir und deinen Problemen zugehört, die Du mir oft bis ins kleinste Detail beschrieben hast, so genau wollt ich es eigentlich gar nicht wissen, jetzt geht es mir auch so, dass ich einfach einen Zuhörer brauch, aber mein Hoffen, dass ich ihn in Claus finde, ist noch ungewiss. Warum will ich eigentlich jetzt(!) ihm alles „erzählen“?!

Mir ist, als wenn etwas längst verdrängtes wieder wie eine erneut gerissene Wunde blutet. Ich habe versucht, die alte Wundnarbe möglichst unberührt zu lassen. Aber die Narbe existiert natürlich und nun ist sie wieder offen und tut höllisch weh.

Ich spüre, dass ich in mein Gedankenchaos eine Ordnung bringen muss, ich müsste mit mehreren Mündern gleichzeitig reden - die Gedanken, die vielen Worte, die am liebsten alle auf einmal gesagt werden wollten! - wer war nicht schon mal in so einer Situation? –   jedes Nacheinander würde womöglich durch Dazwischenfragen in ein Labyrinth führen…

Morgen fahre ich noch mal in meine „Ost-Heimat“, zum Gartenhäuschen, Du weißt, das ehemals meinem Vater gehörte, um es weiter ein stückweit  in Ordnung zu bringen. Und ich hoffe, dass mir die Abgeschiedenheit gut tut, um zu mir zu kommen und erste Gedanken zu verfassen… und ich habe mir Klaviernoten schon eingesteckt, ich will die „Wandererfantasie“ von Schubert üben, fest entschlossen, sie jetzt nach zahlreichen Abbrüchen in den letzten reichlich 10 Jahren, zu schaffen… Ich meld mich wieder, Dorehn.

 

Teil 2 

 

Vieselbach, 1.8. 2013       Brief                                                        

Claus, ich kann nicht anders, ich will erklären, was mit mir los war /ist, auch wenn ich am liebsten „vom Boden verschluckt werden“ möcht…oder  vielleicht grad deshalb… ich muss es (mein verursachtes Beziehungsknäuel) irgendwie verarbeiten und ich brauch ein Gegenüber… kannst DU es an dich ranlassen?

In der ganzen (unsrer) Zeit stand ich faktisch selber neben mir, wollte immer happy sein und log mir und entsprechend allen anderen auch  gehörig was vor. Ich glaub, ich stand wie unter Drogen … jedenfalls kann ich mir den Zustand jetzt gut vorstellen - nur ja nicht nachdenken oder zum Stillstand kommen, nur den Augenblick genießen. … aber jetzt kann, oder besser, ist er (der Stillstand) da und ich empfinde es wie eine Erlösung.

... ja, ich hab mich in ein Gefühlsknäuel verstrickt, das schon länger, aber in diesem Frühjahr endgültig aus den Fugen geraten ist. …es hatte 2010 seinen Anfang, mit dem Chatroom per Internet… ich war echt „ausgelaugt“: hatte nach meiner Scheidung’98 eine neue gescheiterte Beziehung Ende  2002 hinter mir, in der ich mich „verbogen“ hatte und mir klar wurde, dass ich mich zu schnell an jemand „andocken“ will  in der Hoffnung, dass er meine Herkunft akzeptiert. 2003 hat (m)ein Psychotherapeut zu mir gesagt, „ich funktioniere“ und komme „äußerlich“ erstaunlich gut zurecht und werde mein Leben gestalten können… (er meinte wohl meine „Fähigkeit“ als „harte Nuss“ zu existieren, so wie Du mich wahrgenommen und in einer Mail mal genannt hast…?) 

…und ein paar Jahre später ,Anfang 2010, fühlte ich mich selber nur noch als „Arbeitstier“, hatte zwischenzeitlich mein Gymnasialexamen an der Uni auch noch gemacht, wollt aber doch nicht in den Schuldienst, entschied mich für die Freiberuflerexistenz, damit konnte ich  endlich meine verschiedenen Musikjobs „unter ein Dach“ bekommen und ausbauen, … erwarb mit Hilfe der Ex-Schwiegereltern ein Häuschen und begann es darin 3 Jahre ohn‘ Unterlass  umzukrempeln …Beruf, Kids, Musik machen und Arbeit am Haus haben mich voll ausgefüllt, …aber ich fühlte mich mehr und mehr ausgebrannt… Ich brauchte etwas, einen Gegenpol, der mir „einfach so“ – leider - nicht über den Weg lief,  so wie ich es in meinem Umfeld (bei Freunden, Bekannten, Geschwistern) sah, …und außerdem war ich verunsichert durch die lange Zeit „ohne“.   …und so entschied ich mich - nachdem mir meine cleveren Kids erklärten,  wie im Internet das Chatten läuft - für eine solche Plattform…, deren Ungeschütztheit mir nicht bewusst war (!)…   auch diese Unverbindlichkeit, die so generell vorherrscht, empfand ich anfänglich zwar positiv…und dann stellte sich der „Sog“ ein… ja, es gab Zeiten, in denen ich jeden Abend irgendwie im Chat war…und dabei stieß ich auf die mittlerweile langjährige Chat-Bekanntschaft, einen Ehemann, der viele Tabus einfach brach und es entwickelte sich eine rein erotische Beziehung. Er wollte von mir nix wirklich wissen und die geheimen dann-und-wann Tagesdates waren nur „zum Prickeln“ da… und ich hab peu à peu seinen Sprachjargon, die „Leichtigkeit der Selbstlüge“ übernommen…  es waren leere Worthülsen, das war mir zu dem Zeitpunkt schon bewusst… Aber es (er) war nicht das, was ich suchte,  ich wollt ja „richtig“ jemand finden, deshalb gab ich Ende 2010 eine Zeitungsannonce auf, mit fast dem gleichen Wortlaut wie auch dieses Frühjahr… und da hat sich S. drauf gemeldet, ein lieber Mensch mit einer unheilbaren Krankheit.…  ja, auch er hatte (wie er mir später mal sagte) meine „Naivität“ ganz am Anfang ausgenutzt und an Hand meines damals noch als  Word – Datei verfassten ersten „anonymen Briefes“ gleich meinen Namen „ausgespäht“ und ist mal eben so u.a. per Google earth auf meinem Grundstück „spazieren gegangen“,  schon vorm 1. Date (!)… Wie  kommt man(n) auf so was, ist es Neugier oder Mißtrauen!? ...eine zarte, teils innige, Beziehung hat sich aufgebaut, mit viel notwendiger Rücksichtnahme wegen der Erkrankung, aber auch Verletztheit, indem ich als „die Gesunde“ zurückgewiesen wurde, wenn er körperlich nicht mithalten konnte (…aber das alles würde jetzt hier zuviel werden)…  und so hab ich kompensieren „gelernt“ mit der erotischen Chat- Beziehung, beide Beziehungen ergänzten sich... aber die innere Leere u. Sehnsucht blieb…beides wollt ich nicht für ewig so stehen lassen. Neue Versuche per Chat oder Antworten auf andere Zeitungsannoncen scheiterten… ich ließ diese Suchaktivitäten kurzzeitig ruhen…, in diesem Frühjahr  aber wollte ich mein Gefühlsknäuel lösen… wie absurd! - indem ich erneut selber wieder eine Annonce schaltete, ohne erst mal deutlich ein Signal den bestehenden Beziehungen zu geben!

… und nun warst Du in mein Leben getreten. Oh Gott, ich wollt Dich echt kennenlernen… hab unsere Dates in liebevoller Erinnerung und kann  es noch nicht wahrhaben, dass es vorbei sein soll, ich spür Dich noch zu hautnah neben mir…ich wollte für Dich die anderen aufgeben, war aber noch verunsichert… Du hast dich mir gegenüber zögernd geöffnet, ich glaub, ich konnte Dir auch was geben, trotzdem ich selber nicht fähig war, mich Dir anzuvertrauen... Habe aber während deines Besuchs  in meiner alten Ost-Heimat  schon gespürt, dass „etwas in der Luft liegt“, Du warst so reserviert mir gegenüber…

…Nun ist dieser plötzliche Abschied ja erst gut eine Woche her und obwohl ich mich - nunmehr allein- in die Arbeiten stürze, war ich ständig in Gedanken, was eigentlich mit mir geschehen war… ich fing ja an, mich wie ein Chamäleon der jeweiligen Situation anzupassen, … irgendwie  wollte ich es jedem „recht machen“ (da winkt die Vergangenheit wieder!) – und habe mein gefühltes Chaos aus Kindertagen ins Jetzt und im wahrsten Sinn des Worts „in die Tat“ umgesetzt, ich war trotz des inneren Stresses wie im Rausch…es war der „Tanz mit dem Teufel“ - dem Du ein Ende gesetzt hast. …(wahrscheinlich hast du noch „mitgekriegt“, dass ich im Chat einer neuen Person „ein erstes Hallo“ zugesandt hatte, weil ich vielleicht wieder „flüchten“ wollte.) … jetzt ist endlich mal Stillstand und ich kann in die Nacht hinein weinen und hoffen…mein Chatroom hab ich gelöscht. Viele der niedergeschriebenen Gedanken können nur angerissen sein, werfen womöglich mehr Fragen auf statt Antworten zu geben und bedürfen einer Auseinandersetzung, - weiß-, ich hab versucht, ihnen wenigstens eine Ordnung zu geben.  Nun hoffe ich, dass ich nicht wie früher „nur“ mit meinen Tasten „spreche“. …kann es Dich als Gegenüber für meine Gedanken geben? Lass mich einfach losschreiben, es würde mit sehr helfen… LG, Dorehn.

 

Liebe P.-S.,

kennst Du das Gefühl, an Unausgesprochenem „zu ersticken“? Bin ich verrückt? Nun habe ich Claus einen Brief gesandt, ohne erst auf eine Reaktion überhaupt seinerseits zu warten! Ich weiß ja, dass er auf Urlaub mit seinen großen Kids war und sich da sicher nicht die Laune von meinen 2 Mails vermiesen wollt… ich hab ihm meine „Vergehen“ in Bezug auf Männerbeziehungen, die alle drei gleichzeitig nebeneinher existierten, geschrieben… und bin froh drüber, es getan zu haben… ich wollte einfach ehrlich „Rechenschaft“ ablegen, der Zustand war mir doch auch mehr als zuwider und am schlimmsten ist für mich, dass ich mich ihm gegenüber nicht frei fühlen konnte… Wie wird das Geschriebene bei ihm ankommen?  Wie oft war ich in seiner Gegenwart gedanklich damit beschäftigt, wie ich anfangen kann, von mir zu reden... Wenn ihm die schweigenden Minuten des nebeneinander her Gehens zu lang wurden, summte er einfach eine Melodie. Warum habe ich gehofft, mit ihm sprechen zu können, statt einfach zu dem Zeitpunkt lieber ihm von meinen „Seelensteinen“ zu schreiben!… es ist meine Schuld ...diese elende Verschwiegenheit!

Dorehn.

Doch endlich eine Reaktion!

Von: Claus  An: Dorehn

Betreff:die Spionageaktion

Datum: 03.08.2013, 18:23

Hallo Dorehn,

wenn du es als "Spionageaktion" oder "Schlag ins Gesicht" empfindest, dann ist dies nicht meine Absicht gewesen. Wenn es für dich eine Tat war, die einer Entschuldigung bedarf, so bitte ich dich um Entschuldigung für mein Mißtrauen. Leider verträgt sich Vertrauen mit Mißtrauen nicht. Unser Handeln wird von der Einschätzung gelenkt, was wir für richtig halten. Ich möchte dein Verhalten nicht bewerten oder moralisch einschätzen. Du wirst deine Gründe haben und bist in deiner Person ein liebenswerter Mensch. Meine Email-Adresse steht dir offen, ich werde Dir auch gerne antworten. Du bist auf der Suchst nach einem anderen Menschen als mich, auf dieser Suche wünsche ich dir viel Glück.

Gruß Claus

 

Datum: Sun, 04 Aug 2013 22:41

Claus, ich bin froh, dass Du mir geschrieben hast und ein offenes Ohr signalisierst (!), denn ich hab es nicht ausgehalten, auf eine Antwort zu warten und nun ist ein Brief an Dich unterwegs, den ich am Samstag in einer noch nie gehörten Post-"Konkurrenz"- Filiale abgegeben hab, was hier in Vieselbach anders nicht mgl. war, um noch an eine Briefmarke ranzukommen und hoffe, dass er dich erreicht…möchte dem auch nicht vorgreifen und jetzt Ergänzung/ Erläuterungen dazu machen, die mir gedanklich neu "auf der Zunge" liegen, aber ja irgendwie zusammenhanglos blieben…

Doch so viel zu deiner Antwort: eine wichtige Frage, was suche ich eigentlich für einen Menschen u. hat das was mit "Glück gehabt" zu tun (?), kreist mir sehr im Kopf herum.

Will auf Antwort warten, ob der Brief Dich erreicht hat. LG Dorehn

Von: Claus  An: Dorehn

Betreff: dein Brief

Datum: 09.08.2013, 02:11

Hallo Dorehn, ich habe deinen Brief erhalten.

Wenn du mir über dein Leben schreiben möchtest, kannst du das gerne auf meine E-Mailadresse tun. Ich werde es nicht bewerten, aber dir per Email antworten, wenn du es möchtest. Gruß Claus

 

Tagebuch,  4.August, Gartenhäuschen in Vieselbach

Mein alter klappriger Keyboard ist mitgereist, so dass ich meine Gedanken beim Üben ordnen kann, ja, manchmal ist die Konzentration halbiert, zum einen auf die Tasten, zum anderen mit meinem Inneren kämpfend… Bevor ich einen neuen Brief an Claus schreibe - meinen ersten Seelenstein - , versinke ich beim Klavierüben in Tönen, in die Schlusstakte der „Wandererfantasie“ von Franz Schubert, die fast nur aus reinen C-Dur- Dreiklangsbrechungen bestehen, …aber sie klingen bei mir noch so „unrein“, weil meine Finger bei den  eigentlich „simplen“ Akkordläufen ins Stolpern geraten, ja, es ist vertrackt von den Fingersätzen her. Ich beiß die Zähne zusammen, jetzt aber durch…nein, es geht einfach noch nicht mit Tempo, eher  in Zeitlupe, dafür aber muss jeder Finger bewusst gesetzt werden, ich arbeite mich vor…. Ich will sie vorm schreiben schaffen,  die zwei letzten Seiten…

Schubert selber soll beim eigenen Versuch, seine Komposition vorzutragen, dann nach mehreren Abbrüchen gerufen haben: „ Soll der Teufel dieses Zeug spielen!“  Ja, es ist ein schweres Stück, deshalb möchte ich dabei auch, wie meine eigene Geschichte, „die Sache von hinten aufrollen“… 33 Seiten lang steht sie vor mir, die „Wandererfantasie“ …im ersten und zweiten Teil war ich vor längerer Zeit schon stecken geblieben, nun will ich erst die letzten zwei Seiten des 4. Teils spürbar können, bevor ich in meinem Inneren verborgenes hervorhole…warum?

Ich spüre, dass dieses Konzertstück, auch wenn es Kraft verbraucht, mir  die „emotionale Energie“ gibt, um mich an die Kindheitsschmerzen heranzuwagen, die Musik lässt mich in der Balance bleiben, das habe ich schon oft gespürt. Diese Kompositionen hat  nichts Trauriges an sich, mal tendenziell eine gewisse Melancholie, aber gerade der Schluss ist fast wie ein orchestraler Hymnus anzuhören, manchmal vielleicht schon etwas überladen mit seinen vielen Läufen, aber genau deshalb diesmal auch von hinten aufgerollt…was nützt mir, den Anfang zu schaffen, aber nicht zu wissen, ob ich am Schluss ankommen werde?