Lebenslabyrinth - meine Geschichte

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3.Teil - Aufgewühlt

unerwartete Konfrontation - Theaterbesuch am 17.5.2014

Mein Körper steht unter einer ungeheuren Anspannung, mein ganzer Bauchraum schmerzt. …was war das am Samstag? ...Kultur tanken war angesagt mit Jane, S.s Tochter, der  ich vergangenes Jahr einen Musiktheatergutschein zur Konfirmation geschenkt hab, mit der Absicht, sie damit  in Berührung zu bringen. Da sie sich was wünschen durfte, fiel die Entscheidung auf eine Musicalaufführung im Münster Theater -  war für mich nicht so prickelnd vom Inhalt, aber...
...das sollte sich ändern...schon als ich mich zur Garderobe im Theater begab, lief mir die Schwester von Claus über den Weg, die ich voriges Jahr nur mal flüchtig kennengelernt hab - ob sie mich erkannt hat? - da fiel es mir auch wieder ein, dass sie ja hier wohnt... wir gingen nach oben zu unseren Plätzen, ich sitze immer lieber in Rang oder Loge, weil man dann Bühne und das Orchster sehen kann. ...und dann fällt mein Blick ins Parkett und mein Herz beginnt zu rasen...da saß er, Claus...die Neue neben ihm... die Aufführung begann... da ein paar Plätze frei blieben, setze ich mich noch mal in die erste Reihe um...die Plätze verdunkelten sich, ich versuchte mich auf die Musik und das Geschehen auf der Bühne zu konzentrieren, während im Innern es mich schüttelte...das Vergessen wollen war unmöglich, alles war unmittelbar präsent an Erinnerung... meine Hände zitterten, mein Atem ging schwer...mir war so unwohl, dass ich schon vor der Pause mal raus musst... ein Blick in den Spiegel auf der Toilette - die Qual stand mir im Gesicht... tief durchatmen, Augen rollen, ein Lächeln aufsetzen... dann die Pause - war auf einer Seite froh, mit S. hier zu sein, er gab gut Figur ab... aber was wollte ich jetzt? - die Konfrontation, die Begegnung mit Claus?...oder lieber doch nicht?...mir war zumute, als würd ich beim plötzlichen vis-à-vis umfallen, das malte sich meine Phantasie aus... S. gab mir das gewünschte Glas Sekt in die Hand... er sah, dass es mir nicht ganz gut ging - wenn er wüßte, was in mir tobte -...ich nippelte ein paar Schluck und gab vor, noch mal auf Toilette zu müssen ... runter...ob Er mir jetzt über den Weg läuft?...nein, ich sah Ihn nicht... im zweiten Teil nach der Pause war ich etwas ruhiger geworden, aber der Gedanke - wie sollte sie sein, die Begegnung? ...es machte sich Sehnsucht danach breit und gleichzeitig Scham... Applaus, der Vorhang fällt, es wird heller, ich beobachte ihn, er war von der Aufführung ermüdet, rieb sich die Augen... klatschte nur flau...aber das kenn ich auch von S. her, der auch nicht einsah, dass man beim Klatschen in erster Linie der Leistung der Akteuren auf der Bühne huldigt, auch wenn einem das Stück nicht so gefallen hat - naja, das sind sie die Akademiker, die es nicht gewohnt sind, beklatscht zu werden und so auch nicht ambitioniert sind anderen zu applaudieren... Fine, aufbrechen... Claus war nicht zu sehen im Foyer...die Zeit des Ausgangs verzögern und noch mal zum WC?...dem Zusammentreffen noch eine letzte Gelegenheit geben?... ich war hin und her gerissen... ließ es bleiben... warum? ...konnt mir nicht mehr vorstellen, wie ich reagier, wenn er vor mir steht, mein Kopf war leer... was sag ich? - wie reagiert er?... wird es zum Reinfall?... ein letztes Umdrehen auf dem Weg nach draussen...nur fremde Gesichter...
Fahrt nach Hause mit genügend fragenden Gesprächsstoff zum Theater von Jane her...             

Es war spät geworden - Ausklang des Abends mit einem Glas Rotwein bei S. und ...meinem inneren Aufgewühltsein. Die Spannung "entlud"  sich im Bett, in dem ich S.s Bedürfnisse nach Sex trotzt seiner krankheitsbedingten Unfähigkeit lustvoll entzündete und auskostete... aber der Schlaf danach?... wollte sich nicht einstellen - die Gedanken und Gefühle gingen wieder auf Wanderschaft... habe ich die Chance verpasst, durch unmittelbare Konfrontation diesem -  meinem - Gefühlschaos endlich ein Ende zu setzen, diesen Schwebezustand zu brechen?... hätte es nicht einfach ein friedliches Hallo geben können, eine kleine belanglose Plauderei... und ich wär endlich runtergekommen von der zerissenen Liebesfantasie... endlich sich  wieder  eins fühlen im Körper... mit der friedvollen "Vergebung", den eigenen Weg zu gehen und den Weg des anderen auch gehen zu lassen...? ...aber wär es möglich gewesen durch diese Begegnung ...oder ist der Wunschgedanke auch nur Phantasie?

 

4. Teil - Sehnsucht

Tagebuch - Osnabrück, 14. Juli 2014 - der Tag nach dem WM-Sieg

Habe Unruhe im Herzen - ich laufe hin und her und weiß nicht, was ich so recht  anfangen soll…

…Besuch bei S. am WE, sein bester Freund Udo, ich würd sagen, eigentlich sein fast einziger...

Schon als ich ihn zum ersten Mal vor ca. 3 Jahren  bei einem Kurzbesuch kennengelernt hab, war ich innerlich aufgeregt oder eher angeregt… Begegnung in großen Abständen - immer nur für ein paar Stunden - mehr als  5 bis 6 Begegnungen waren es nicht, höchstens zwei im Jahr, da er auch mit ca. anderthalb Stunden eine Ecke weg wohnt… meist mit seiner Partnerin zusammen und ich war ja sozusagen auch „nur das Anhängsel“, was sich dazugesellte… zweimal hab ich nachgehakt, dass wir die beiden doch auch mal besuchen könnten… wollte eine kleine „Spur“ hinterlassen…schenkte ihm eine CD mit Aufnahmen von meinen Kammerkonzerten…musste aufpassen, dass ich mich in seinen strahlenden Augen nicht verlier…

Nun vor  4 Wochen die Nachricht, dass er sich getrennt hat  von A.…kam es überraschend?...- njaein - so ein bisschen vorahnend war es schon,  als ich mal hörte, wieviel Wein da zuhause jeden Abend getrunken wird… das hat mich sehr erschreckt…immerhin sind beide auch sehr sportlich und in sozialen Berufen tätig… 2x war er jetzt kurz hintereinander hier in Osnabrück, einmal nur zum Hallo-sagen und jetzt auf einer runden Party einer ehemaligen Studienfreundin… übernachten wollt er bei S. …ich auch… als ich kam, lag schon die Gästematratze da im offenen Wohnbereich…

…so richtig schlafen konnt‘  ich nicht, ich fragte mich, ob er überhaupt von der Party in der Nacht wiederkommen wird … 6.00uhr -Sonntag in aller früh, die Sonne scheint: ich stand auf, um mir was zu trinken zu holen…da lag er schlafend… halb entblößt auf der Matratze…innerlich musst ich lächeln - ob er immer so schläft?...meine Fantasie ging auf Wanderschaft - an weiterruhen war nicht mehr zu denken -  fühlte unbändige Sehnsucht, mich ganz kurz liebevoll an ihn schmiegen…ohne Worte, nur mit einer Geste zeigen,  was ich fühle…  inzwischen 7.30uhr - wollt aufstehen: gab vor, einen So-morgen-Spaziergang machen zu wollen und schon mal die Frühstücksbrötchen zu holen…ein verschlafenes Okay von S. …ich zog mich an im Bad – dann die Treppen runter – da lag er immer noch so auf der Seite, ein Bein unbekleidet über die Bettdecke geschlagen – mein Gefühl überschlug sich – oh nein! mein Scham bremste mich aus…ich nahm den Fluchtweg zur Tür hinaus – die frische Luft tief einatmen – erst mal wieder runterkommen …meine Beine liefen viel zu schnell für einen Spaziergang, so als ob es die Zeit einzuholen galt…gerade mal 25min waren rum, als ich wieder zur Tür herein…nein, jetzt lag er noch offensiver da –  wie sähe mein Ansinnen jetzt aus in seinen Augen?...eine erschrockene Geste seinerseits, als er sich selbst so nackt bemerkt -  er wirft die Decke über sich…oder war es gespielt provozierend?…ich merke, dass ich nicht den Mut habe, mein Gefühl  für ihn auszudrücken… in meiner Fantasie setze ich mich leise auf die Matratze, gleite unter die Bettdecke  und zieh ihn sanft an mich, um schnell wieder aufzustehen und in sein verdutztes Gesicht zu lachen…und dann? Weiß nicht!…. doch während es in mir rast und pocht, suche ich ein sicheres Plätzchen - ziehe ich mich zurück an meinen Laptop und hadere mit mir, während scheinbar alle um mich herum noch friedlich schlummern…  wäre es anders, wenn ich spüren tät, das es auch seinerseits ein deutliches Zeichen von Zuneigung gäbe… ist er doch beherrschter als er aussieht und respektiert er S. als Freund zu sehr?…9.30uhr - beim Guten Morgen in der Küche ruht seine warme Hand einen Moment lang auf meinem Rücken im allgemeinen Trubel … beim Frühstück geht es angenehm entspannt plaudernd zu…dann verabschiede ich mich mit einem Gefühl des Versagens… wie sollt ich ihm eine Botschaft zukommen lassen, wenn ich überhaupt nichts von ihm weiß…er gehört zu den Menschen, die keinerlei öffentliche Spur hinterlassen… und wie reagiert er wohl dann… ich hoffe, dass sich diese Gefühlswoge  durch den Alltag wieder ordnet…

 

Tagebuch – Osnabrück, 4.9.14  - filmische Nachgedanken

…Dienstagnachmittag war Kinotag für mich...war froh über die noch unterrichtsfreie Zeit, um den Film „Die geliebten Schwestern“  zu schauen, bevor er aus dem Programm fliegt –lief wohl schon während meiner Urlaubsreisezeit…umwerfende Bilder  über 2h hinweg! (- naja, zumindest wenn man einen  Faible fürs historisch klassisch-romantische hat-)… fasziniert hat mich die sich genommene und gelebte Freiheit  -bei allem Status-und Standesdenken in der Zeit der großen Klassiker. Der junge sich mausernde Schiller lernt zwei Schwestern kennen, beide sind in ihn verliebt und er auch in beide – eine Dreiecksbeziehung, die sich erst mal als tragend anfühlt, dann aber doch übergeht ins dramatische… hier der Link zum Trailer :

http://www.filmstarts.de/kritiken/202808/trailer/19539689.html


...eine nachdenkenswerte Inszenierung, so ganz ohne Klischee, dafür hautnah…echtes nachempfindbares  Lebensgefühl…so geht es zumindest mir . ...und?... wie sieht es heute aus, sind die Menschen wirklich "freier" als damals, wenn es um  Liebesbeziehung geht?... ich fühle mit der filmischen Auseinandersetzung im Grunde erneut mein Scheitern vom Sommer des vorigen Jahres – ein nebeneinander von Beziehungen, zu zwei liebenswerten Partnern, jeder mit seinen Facetten, die sich für mich zu einem ergänzen, geht wohl nicht – Unverständnis, Verletztheit, besitzergreifender Alleinanspruch ohne sich selbst wirklich als ganzes einzubringen - so erlebe ich die Beziehungen/Männer, zu denen ich mich mich hingezogen fühlte und noch fühle   ...meine Tochter schafft es viel unbefangener damit umzugehen…ein neues Lebensgefühl der nächsten Generation? …für sie war es klar, dass sie ihren engeren und weniger engen Freund jeweils in Kenntnis setzt von ihrem  Beziehungsgefüge und die waren so drauf, es zu akzeptieren… also, scheinbar recht einfach…  wohl nur, wenn man weiß, dass diejenigen auch so „ticken“ …  aber genau diese Annahme, ich will gar nicht von Gewissheit sprechen, fehlte mir, um dass mir im vorigen Sommer  die rechten Worte zur rechten Zeit über die Lippen kommen konnten …stattdessen zermarterte mich der Zustand im Zusammensein mit Claus... es ist ja auch nicht wirklich mein Verlangen nach einer Mehrfachbeziehung, eher ist bzw. war es aus der Situation heraus entstanden, nur ich kann und konnt selber nicht damit umgehen, zu keinem wirklich sagen, was mich bewegt...was mich hält, was mir fehlt, was ich brauch, wie ich's versuche zu kompensieren...bin ich auf der Suche  nach einem "Liebesphantom", ja, lauf ich ihm nach?