Lebenslabyrinth - meine Geschichte

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...11.11.2014 - ich verfolgte im Fernsehen die Bilder...wünscht mir, mitten drin zu sein im Trubel an der ehemaligen Mauer in Berlin...rufe meine Kinder an...ja, sie sind gerade an der Warschauer Str. - man hört durchs Telefon die vielen Leute!

Was für ein Tag! Habe den Tag des Mauerfalls damals nicht in Berlin erlebt, nein...lebte in der Nähe von DD...und war abends bei Freunden auf einem Geburtstag...eine knisternde Stimmung herrschte...sowieso schon seit Tagen, ja, Wochen...aber an dem Abend ganz besonders...dann kamen im Radio die Nachrichten...was? wie? Reiseerlaubnis?...alle schauten ungläubig...was geht hier vor sich?...es blieb uns noch bis zu meinem Aufbruch nach Hause unklar, was wirklich geschehen war... keiner konnt es beschreiben...ich legt mich mit innerer Unruhe schlafen, denn ich hatte am nächsten Tag einen privaten Studientag bei einer Cembalistin - wollte nach Lpz. aufbrechen... nach dem Aufwachen am 10.11. - ich war gerade am Zähneputzen und stockte mittendrin - ich traute meinen Ohren nicht!...man kann mit einem Stempel bei der Polizei sofort gen West!...in mir überschlug sichs...ich konnt "einfach so" also jetzt zu Matthes (meinem damalig zukünftigen Mann - wir hatten noch im August den Heirats - und entsprechend für mich den Ausreiseantrag - gestellt)...der Plan, heut nach Lpz., flog über Bord, ...stattdessen rannte ich geradewegs zur nächsten Polizeistation...eine riesige Menschentraube drängelte sich dort am Eingang...endlich durch die erste Tür - man wurde von der Masse mitgedrängt, fast erdrückt, jeder wollt am liebsten zuerst dran sein...nach einer Stunde Schweißbad in drängelnder Masse dann der Lauf zum Bahnhof, welcher Zug fährt da überhaupt Richtung "gen West"...mit einer Fahrkarte in der Hand dann zur Poststation, um ein Telegramm aufzugeben . "Ich komme!"...ein paar Klamotten in den Rucksack und dann los mit dem nächstmöglichen Zug Richtung Grenze und dann sehen, wie es weitergeht...

Im vollgestopften Zug - der Zugbegleiter hatte keine Chance durchzukommen - kam der spannende Moment...alle rissen die Fenster runter, um das Passieren der Grenze noch sichtbarer zu verfolgen ...vorher Ausweiskontrolle, ob der Stempel wohl auch drin sei...die Grenzposten völlig überfordert...und dann...nur wenige Kilometer ins "Neue Land" gefahren und es strahlte uns eine "farbige Welt" an... Grüne Wiesen im Nov.!...rote Dächer!...(jetzt fehlten nur noch die Zitronen am Baum, um das ganze Farbspiel endgültig fragwürdig erscheinen zu lassen...) ...nein das war echt!...  nur bei  immer wieder Mitdrängeln war ein Vorwärtskommen auch beim Umstieg in den nächsten Zug  nöglich...

Ankunft in Darmstadt...und es hatte geklappt - das Telegramm war also angekommen...ich wurde von Matthes und noch zwei anderen Freunden aus dem Partnerstädte-Arbeitskreis der ESG empfangen! Da blieb dann einfach kein Auge trocken...es war immer noch zu unglaublich! wie ein Traum...

 

 Osnabrück, 25.11.14

...die Mauer war gefallen...nach dem ersten Kurzbesuch im Westen folgte der zweite - Ende November. Wollen wir heiraten - so richtig, wie wir es uns gewünscht hatten?...Ja, wir wollten! Also sind wir zum Standesamt in Darmstadt - Termin Anfang Januar wurde festgesetzt...und dann der Besuch der zukünftigen Schwiedereltern in OS - ich wußte, dass Matthes kein gutes Verhältnis zu seinen Eltern hatte...Ankunft in einem biederen großen Wohneigenheim mit Garten... naja, konnt nicht wirklich eine Meinung dazu haben...aber ein sehr herzlicher Empfang wars und Begrüßungsgeschenke...sollt mich neu einkleiden, Einkauf in einem Modemarkt (hatte ja nur Klamotten aus dem DDR-Second-Hand am Leibe)...und eine Schneiderin aus ihrem Freundeskreis wurde für das Hochzeitskleid beauftragt... es ging alles so unglaublich schnell - aus späterer Sicht zu schnell - hab alles wie hinter einer "Glaswand" wahrgenommen... - und ich fühlte ein Unwohlsein, dass mir signalisierte, dass ich mich in anderen Umständen befinde... nach der Rückkehr an meinen bisherigen Arbeitsort in Freiberg bei DD begab ich mich auch gleich zum Frauenarzt...nach langem Warten endlich dran...und dann der Schock - die kurze Frage: Wollen Sie einen Termin zum Schwangerschaftsabbruch? - ... Schluck, ich kam mir vor wie beim Schlachter...aber Nein! ich will "Es" doch haben - ich freu mich drauf!...sicher war der Zeitpunkt schwierig, aber ich bin doch nicht allein!... ich hatte das Gefühl mich rechtfertigen zu müssen für meinen "Wunsch"...was soll das?... ich wollte endlich auch Familie haben, etwas festes, lebenswichtiges... meine älteren 2 Schwestern und zwei meiner jüngeren Schwestern hatten schon sehr früh Kinder bekommen (bzw. waren auch wieder schwanger), teilweise mit grad 18... ich war "schon" 25...also, warum nicht? (wurde bereits mit unserer frommen Tante, meiner Patentante, verglichen, die keine Kinder bekommen hatte... dem konnte ich "endlich" entgegensetzen)... oh je, war ich naiv damals...

...und ich hatte noch einen Wunsch: wenn sich nun schon ganz neue Dimensionen durch den Mauerfall ergaben, dann wollte ich die Hochzeitsfeier in meinen "heimatlichen Gefilden" -die Trauung sollte in Vieselbach und die Feier dazu in Weimar stattfinden - das hieß, die ganze Verwandtschaft von Matthes sollt in den "Ostblock" anreisen...und...meine Bedenken, wie das wohl bei der zukünftigen "Westverwandtschaft" ankommt, lösten sich auf - nein, im Gegenteil - die fanden das sogar interessant (auch wenn sie zum Termin dann mal vorsichthalber mit selbstgebackenen Torten anreisten, damit dem leiblichen Wohl ganz bestimmt ausreichend Genüge getan war ;-)) ...) So trafen wir (Matthes und ich) uns noch vor Weihnachten in Erfurt, fuhren gemeinsam zu meinem Pfarrer, den ich noch aus der Konfirmantenzeit kannte, nun zum Vorgespräch für die Trauung und dann natürlich auch mal zu einem Gegenbesuch bei meinem Vater und zwei-drei Schwestern...

Zur Heirat beim Standesamt in Darmstadt stand unerwartet ein Mitarbeiter der Presse vor uns, klick-ein Foto ehe man sich versah und ein kurzes Interview, da wir dort das erste Ost-West-Paar nach der Wende waren...wer hatte die bestellt?-keine Ahnung.... Die kleine Feier im Anschluss begangen wir nur zusammen unseren Trauzeugen - zwei Freunden aus dem ESG-Kreis -mit einem reichhaltigen Vier-Personen-Essen beim Griechen.

Der eigentlich große Tag rückte näher... und ich fühlte mich immer unwohler, der Hormonhaushalt spielte verrückt, Appetitlosigkeit war noch das kleinste Übel, ein Blutdruck zum gleich im Bett bleiben... schwanger sein ist keine Krankheit - wurde mir gesagt, also...ein innerer Ruck - stell dich nicht so an! ...oder doch lieber alle Feierlichkeit  absagen?... nein, wollt ich auch nicht...

Und dann das:...die Nacht vorm großen Tag ist mir als schmerzliche Wunde in Erinnerung, sehr schmerzlich, ...so sehr, dass meine Sicht auf das  Zukünftige geschüttelt wurde... was "der Auslöser" war, kann ich nicht mehr nachvollziehen, auch, was mich in seinen Worten so derartig verletzt hat, dass ich in der Nacht soviel geweint hab, dass die Augen auch beim Aufstehen(müssen) noch ganz verquollen waren (es grüßt die "Verdrängung"... meine Schwester, bei der wir im Gästezimmer übernachteten, sah es, ließ sich aber nichts anmerken... in mir kreiste die Frage: soll ich heute vor Gott und der Welt "Ja" sagen zu meinem Mann? - ich hatte ganz widersprüchliche Gefühle in mir - der Schleier der Romantik hatte sich ins Nichts aufgelöst in dieser Nacht - am liebsten wollt ich ausreißen vor dem ganzen Trubel...einfach weg...

...ja, die verdutzten Gesichter, die ich in Gedanken vor mir sah... "nein, hier wird nicht gekniffen...da musst Du jetzt durch"! - sagte mir mein inneres "Ich"... fertig "verkleidet" kam der Start zur Kirche - Überraschung! - der Bruder meines Schwagers hatte seinen Oltimer als "Hochzeitskutsche" vors Haus gefahren - wow...na, dann, einsteigen und die Räder rollen lassen...

...Musikfreunde von Studium und Arbeit waren angereist und haben ohne, dass ich groß was gemanagt hätt, den festlich musikalischen Rahmen organisiert... Einzug in die Kirche  - Platznehmen - innerlich schüttelte es mich die ganze Zeit während der Amtshandlung - die Gedanken, davonlaufen zu wollen hatten sich unwiderbringlich an mich festgeklammert - aber entrinnen gab es nicht mehr - ich sah seitlich meine Tante sitzen, sie weinte... warum das?...da kam das Ja-Wort-sagen... es kam mir über die Lippen - geschafft! -die Erwartung der Gäste hab ich nicht enttäuscht!... Auszug - Glückwünsche...

Toll - alle freuen sich - und mir kamen die Tränen - ich wußt selber nicht warum, vor Freude?... vor Überanstrengung, anbetracht der schlaflosen Nacht?...vor innerer Wut über mich selber?... jetzt aber, Schwamm drüber, mach das Beste aus diesem Tag! - und... es wurde auch ein schöner Tag, viele gaben sich das Wort aus der Hand, boten was der gegenseitigen unbekannten Hochzeitsgesellschaft aus Ost und West... ich war angesteckt von der Stimmung und das tat gut - keiner bemerkte meine Zerissenheit - meine Blässe wurde auf meine Umstände gelenkt, nachdem Matthes mit den Hochzeitsgästen "dem Kindlein" zugeprostet hat... nur einer schmollte still vor sich hin - der Schwiegervater... schließlich hab ich mich "geweigert" seinen "Allerweltsnamen", der seitenweise im Telefonbuch zu finden ist, anzunehmen. ...nein, ich wollte meinen Familiennamen behalten und Matthes hatte zugestimmt...dafür bin ich ihm dankbar!

Nach den feierlichen Stunden und dem Wochenende war rege Organisation meines Umzugs mit meinen "Habseligkeiten" aus meiner eigenen Wohnung bei DD nach Darmstadt angesagt...der Aufbruch in eine mir noch fremde Welt...