Lebenslabyrinth - meine Geschichte

Letztes Feedback

Meta



Gratis bloggen bei
myblog.de





 

1. Teil - Gedankenspiel

Tagebuch, 7. April 2014  - hinterfragende Erinnerung

…es ist gestern spät geworden, bevor ich nachhause aufgebrochen war… habe noch mal Jürgen besucht, den ich zu Beginn des Jahres kennengelernt habe, den ich derzeit nicht einordnen kann als Freund, lieben Kumpel oder gar Liebe… als ich mit dem Auto losfuhr,  stand er immer noch am Straßenrand und winkte mir zurück…Wehmut empfinde ich derzeit, wenn ich denn an diese Beziehung denke… aber als ich gedanklich versunken im Auto fuhr, kam mir eine ganz andere Erinnerung auf, nicht zuletzt durch das Gespräch zuvor… mich ließ der Gedanke an Jesse nicht los, den ich vor vielen Jahren während meines Musikstudiums in Leipzig kennengelernt hatte… ein autodidaktischer Schauspieler eines guten Laienspieltheaters zu der Zeit damals Mitte der 80iger, der hervorragend auf der Gitarre improvisierte und dazu mit warmer Stimme sang…ich habe ihm damals  fasziniert zugehört…nur er hatte ein Problem: er fühlte sich impotent, wenn er mit einer Frau schlafen wollt, sein Unbehagen (zur Sache zu kommen) bekam ich auch zu spüren… trotzdem hatte er eine sehr erotische Ausstrahlung auf mich…er war ein großer, dunkelhaariger, sportlich-schlanker Typ mit langen Armen, in denen ich mich wohlfühlte, wenn sie mich umfingen… ja, in gewisser Weise hatte er vom Äußeren und seiner Blockade her viel  gemeinsam mit Claus, der mir auch gestand, als ich ihm mein Gefühl  schrieb- mir wie das 5. Rad am Wagen vorzukommen -, dass es ihm schwerfällt, sich einzulassen auf „Frau“… Habe ich nach fast 30 Jahren  erneut einen ganz ähnlichen Kreislauf an Männerbeziehungen erlebt?…  auch damals war ich eigentlich in einer mir wichtigen haltgebenden Partnerschaft mit einem lieben natürlichen Musiker…aber sie ließ „ein Loch im Bauch“, dass gestillt werden wollt, wo ich ausbrechen wollt, „das Leben“ suchte, weil ich mir schon wie in eine Schublade einsortiert vorkam… ja, genauso würd ich auch heut die mittlerweile vierjährige Beziehung zu  S. beschreiben, seine wohlgeordnete Lebens- und Arbeitsweise wirkt auf mich spannungslos, manchmal bedrückend, … natürlich weiß ich, dass er aufgrund seiner Erkrankung jede Aufregung vermeidet, ja, vermeiden muss…wenn ich ihm offen erzählen würd, was in mir vorgeht, was ich in all den vielen Stunden/Tagen, wo wir nicht zusammen sind, „tue“… was er nie hinterfragt, weil er mit sich selbst zu kämpfen hat… und so ich fühl mich zwischen den Stühlen hin und her gerissen…wo fühl ich mehr hingezogen?... was suche ich eigentlich?...

 

 

Liebe P.- S.,                        Osnabrück, 12.4.2014

hab viel um die Ohren (meistens so, wenn ich mich nicht melde), …meine viele Musik – die ich auch als Arbeit werte, wenn sie bei allem Tun kein Geld einbringt – aber das weißt Du ja selber, üben/proben ist das A und O… und dazu gerade aktuell die Suche nach einem neuen Auto, die hoffentlich bis Ostern abgeschlossen ist, denn im Grunde hab ich mich schon festgelegt - ein Gasauto soll es sein und mein Cembalo muss reinpassen, denn meine Barockband geht diesen Sommer auf Tour  für 10 Tage gen Thüringen.

… und dann die Männer, die mir im Kopf spuken… von Claus versuche ich mich immer wieder innerlich loszusagen, deshalb auch mein neuer Versuch gleich zu Beginn des Jahres, per Anzeige ein neues Flämmchen zu entfachen …Jürgen lief mir dabei „über den Weg“ und an ihm war ich auch „angedockt“ …es waren interessante  und schöne Begegnungen, ja auch von seiner Seite sehr hilfsbereite und überraschend liebevolle Gesten, aber es gab auch für mich innerlich zwiespältige Momente, denn so fürs erotische war er nicht wirklich mein Typ, das machte aber anderes Positives an ihm wett… und wieder stand für mich nach 2 Monaten recht intensiven Kontakts die Frage im Raum, wie kann ich ihm schonend aus meinem Leben berichten… wollt nicht wieder „sprachlos“ bleiben!…ja, ich hab es sanft versucht per Mail von Berlin aus, als ich genügend Abstand fühlte… war es zu früh?...ich habe wahrscheinlich einen Fehler begangen…eine gute Woche später dann der Schock meinerseits… ihm sei grad alles zu viel und auch zu schnell gegangen,  er bräuchte Abstand, würde aber gern in Kontakt bleiben… und nun?... ist es nun auch eine Art „platonische Liebe“, die in eine Freundschaft für ab und zu übergeht?...

Seit ein paar Tagen, als mir Jesse wieder in den Sinn kam, spukt in meinem Kopf eine Idee, ein Gedankenspiel – wie ein absurder Traum-, dass ich sie („meine“ Männer) alle mal an einem Runden Tisch setzen sollt und ich stelle jeden kurz vor und dann fordere ich sie auf, den am ähnlichsten ihrer selbst zu finden…ob sie die gleichen „Verbindungen“  erkennen würden, wie sie mir untereinander sehr ähnlich vorkommen?  

Wer wäre mit an diesem Tisch? ...den einen oder anderen kanntest/kennst Du…aber sie jetzt alle aufführen, das wär zu lang…es ist wohl besser, dies mir selber erst mal klar zumachen…den Anstoß hab ich aber jetzt… der Gedanke reißt mich ein wenig aus der Melancholie, die mich befallen will…denn, noch weiß nicht so recht, was ich zu Ostern machen werde…mal ganz allein 2 - 4 Tage eine Radtour? –hab ich noch nie unternommen...oder einfach nur „faulenzen“?- S. hat mir angeboten, mit zu seiner Familie zu kommen und da geht es immer sehr gemächlich zu… oder nach Vieselbach fahren, um  mein Gartenhäuschen aus dem Winterschlaf zu holen? ...jedenfalls wird es wohl ein erstes Osterfest ohne meine Kids, ein neues Gefühl…

Wünsche Dir eine schöne Osterzeit, alles Gute!

LG, Dorehn

 

2. Teil - Lebensfragen

Tagebucheintrag - Osnabrück, 5.5.2014

...die 14 Tage nach Ostern sind wie im Flug vergangen, die diesjährige eher sparsame Dekoration schon wieder weggepackt …  was war das für ein Ostern, es kam fast alles anders als ursprünglich angedacht, kann mich selber nicht verstehen…

Erst rief mich unerwartet eine alte Studienkameradin am Karfreitag  Morgen an, weil sie Hilfe brauchte wegen Hausverkauf und entrümpeln, so dass ich kurzerhand zu ihr fuhr (musste sowieso irgendwie mal raus aus den eigenen Wänden), … ich also spontan eine Tour  nach KS unternahm, wobei mir nicht richtig wohlig war,  da sie eine sehr vereinnahmende Person ist, die stundenlang reden kann, unglaublich! …und so richtig zur Sache (Arbeit) kommt man dann auch nicht, naja… Zum Glück haben wir es abends  noch ins Karfreitagskonzert in der Stadthalle geschafft, wo sie dann auch mal andächtig nur lauschte… Furtwänglers 2. Sinfonie, ein „Mammutwerk“ (im Stile G. Mahlers)  von gut eineinhalb Stunden ohne Pause, spätromantisch, sehr emotional mit abrupten Brüchen, 1944 (!) komponiert und von einem sehr jungen Dirigenten richtig gut angepackt…ein echtes Herz-Erlebnis.

Am Samstagmittag Rückfahrt, weil mein Sohn sich ja angekündigt hat, bzw. hatte ihm auch  günstige  Fernbusfahrkarten  organisiert für hin und zurück… aber sein Verhalten hat mich sehr enttäuscht…er kam total verpennt an, blieb verschlossen…wie ich es schon kannte, bevor er nach B ist… Was soll nur werden aus diesem Kerl?...woher die Kraft nehmen, ihn mal richtig durchzuschütteln um ihm „ den Kopf zu waschen“, damit mal was losgeht in seinem Leben?... ich hoff ja immer noch, dass er endlich eine gute Freundin findet, die ihm den richtigen Anstoß gibt, er ist ja äußerlich ein attraktiver gepflegter Typ, so dass schon aus meinem Chor die Leutchen fragten, ob denn die Mädels Schlange stehen bei ihm… da blutet mir das Herz, nichts lieber tät ich ihm wünschen, aber…

Ostersonntag war er bei den Großeltern väterlicherseits zum Essen eingeladen und  danach waren seine Freunde angesagt…ich hatte eh eine kurze Radtour vor mit einer Übernachtung zum Montag, aber ich merkte schon am Samstagabend, dass mein Rad nicht wirklich für zwei 60km-Tagestouren gerüstet ist und das mich zweifeln ließ, ob …und so wollte ich mich am Sonntagmorgen kurzerhand nur zu Fuß aufmachen… aber dazu konnte es nicht mehr kommen, denn in der Nacht schon hatte ich ganz wirre Träume und am Morgen überkam mich mit einmal so eine innere Verlassenheit, dass mir nur noch zum Heulen zumute war, ich konnte mich nicht fangen, mein gepackter Rucksack stand da und ich konnte keinen Schritt vor die Tür machen… es ging nicht, ich stand schon in den Schuhen und…nein,  so  konnte ich nicht aufbrechen…innere Vorwürfe wegen meiner „Schwachheit“ schüttelten mich… ein Innehalten notgedrungener Weise -  es war wie ein schon lange nicht mehr erlebter „schwarzer Tag“, der mich voll erwischt hatte… immerhin war ich nicht gänzlich außerstande mich irgendwie zu betätigen… und es war mir bewusst, dass ich etwas tun muss, um nicht völlig zu versinken… verrückt(!) am Ostersonntag räumte ich erst mal auf dem Dachboden auf und dann strich ich endlich die im Januar neugebaute Bodentreppe mit Leinöl ein und es verschaffte mir so zumindest einen kleinen „Kick“ – das war sowieso längst überfällig, damit die Arbeiten im Haus endlich mal weitergehen konnten…  aber Ostersonntag (?!?)…da muss man sich schon wirklich von allen guten Geistern verlassen fühlen! … und es kam mir fast wie ein Fingerzeig von oben als Bestrafung vor, dass ich nicht mit S. über Ostern  zu seinen Eltern mitgefahren bin…dort hätt ich stundenlang einfach nur relaxen können - hätte mal ein Buch verschlingen können…aber mir war vielmehr nach Bewegung und so entschied ich mich dagegen, da war mir ja schon recht, dass sich mein Sohn angekündigt hatte…  und ich wusste, dass mir seine Art immer mehr an den Nerven zeerte, nicht von ungefähr war ich ja immer wieder auf Suche nach einem „echten“ Partner… er konnte es mit seiner Krankheit nicht sein…und plötzlich wurde der Drang, dies aus mir rauszulassen,  übergroß - wollte endlich ehrlich Schluss machen mit ihm… versuchte meine Gedanken in eine Ordnung zu bringen… ohne vergangenes, von dem er nix weiß, aufzugreifen und ihn so doppelt verletzen zu wollen, schrieb ich ihm meine Gefühle:

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Gesendet: Sonntag, 20. April 2014 23:49

Von: Dorehn
An: ST
Betreff: uns

Lieber S.,
fühl mich total durch den Wind,
schon den ganzen Tag, und die vorige Nacht,
die war schlaflos, unruhig, heftige Träume,
ein nicht endender Schwebezustand als
Ausdruck meines Zwiespalts zwischen Dir und meiner Sehnsucht,
die nicht gestillt werden kann,
was verbindet uns?...eine Art Vakuum?
Endlich reinen Wein einschenken, sich nichts vormachen…
- heut war kein erfrischender Einstieg in den Tag, bleierne Mutlosigkeit
und meine Osterplanung schwamm mir vor den Augen weg,
konnte nicht unter Leute gehen, zwei Anläufe mit gepacktem Rucksack,
was ist los?...das Maß übervoll?...der Körper schreit ohnmächtig!
warum ausgerechnet jetzt?...ein schwarzer Ostersonntag ist zu Ende,
brauche das Gefühl des Freiseins, des Gesundseins,
nur Rücksichtnahme macht krank, nichts auf Dauer,
hätte heut auch Verständnis nötig gehabt,
fühle nur ein großes Loch, keinen echten Gegenpool,
eine Beziehung im sprachlosen Raum,

manchmal ein paar Gesten und Worte was wirklich uns betrifft,
so ist keine Partnerschaft, vielleicht Akzeptanz in Freundschaft
will nicht mehr mir wie dir was vortäuschen wollen,
mag Dich körperlich, aber ich fühlte zu oft  Abgrenzung,
es gibt nichts zu retten, das einzige die Wahrheit,
um im Frieden die Umklammerung zu lösen,
die mich seelisch frisst, die nicht meiner Sehnsucht ist.
Das Ende des Jetzt-Zustands muss sein,
der Tag hat es mir heut ins Tränengesicht geschrieben,
muss neu beginnen, Du auch,
denn ich brauch mehr, als Du geben kannst,
das tut weh, Dir und mir, weiß…
Will versuchen zu schlafen.
Gute Nacht, Dorehn

 

Mit Baldrianpillen konnt‘ ich im Vergleich zur vorherigen Nacht auch besser schlafen…im Morgendämmer relativ ausgeruht, fasste ich den Plan, zumindest eine Tagestour mal in eine mir immer noch unbekannte Region zu machen, wo ich schon lange mal einfach hin wollt…so fuhr ich nach Hameln und Bad Pyrmont, die Ostermontagsruhe und das relativ schöne Wetter taten mir richtig gut auf der Seele, ich tankte wieder auf. Blieb unterwegs einfach am Straßenrand stehen, wenn ich ein schönes Motiv fand oder bog mal in ein kleines Örtchen am Wegesrand ab meine Fotoleidenschaft auskosten … dann der Ausblick hoch oben vom Kirchturm der  Stadtkirche, der Bummel durch die Altstadt von Hameln, und die Ruhe des  Kurparks in Bad Pyrmont, der angelegte verspielte Wasserlauf darin… das alles empfand ich wie Balsam zum vergangenen Tag…

Zum Abend auf der Heimfahrt, schlug ich den Weg über Herford ein…warum zog es mich wieder dahin zu Ihm -zu Claus? ...es dunkelte schon, vor seinem Haus stand ein zweiter Wagen, im Fensterlicht sah ich eine Frau, dann ihn, lachen, dann von Seiten der Frau der Versuch einer Umarmung, … ja so kannte ich ihn, die Frau war die aktiv wollende, es kam nicht seinerseits… Ich drehte mich um und ging, fuhr gedankenversunken  die 60 km heim von tränenloser Schwermut begleitet und dem letzten Anblick…  Was erwartete mich zu Hause? - Stille - mein Sohn war nicht da, wahrscheinlich war er mit Freunden unterwegs… eine Rückantwort von S. auf meine Mail? – Funkstille…schon tat es mir leid, diese unbarmherzigen Worte geschrieben zu haben…rief spät noch an, wusste ja, dass er zum Abend wieder zuhause ist…es blieb still… legte mich schlafen, der Tag hat genug Müdigkeit erzeugt…Dienstag: gegen Mittag dann seine Mailantwort: wenige Worte, die das Ende des Zusammenseins bedauern…

Mir war zum Heulen aus Wut und Trauer… so wenige Worte, vier Sätze, hatte er nur für mich dazu übrig? - warum „kämpft“ er nicht? ...wir kennen uns schon das 4. Jahr! ...sollt ich „erleichtert“ sein, dass er mich „freigibt“?...

Ich wusste selbst nicht mehr was ich wollte… doch schon, ich wollt eigentlich ein Umdenken in ihm erreichen, irgendwie kam ich ja doch nicht weg von ihm, ging auch immer wieder auf seine unbestimmte nichts wollende und doch erwartende  Art ein, habe mir schon angewöhnt, genauso unbestimmt als „Spiegel“ zu wirken…dazu hatte ich ihm schon vergangenen Spätsommer einen Brief geschrieben, der ihn aber nie erreicht hat, hab ihn damals nicht losgeschickt, blöd… was tun, wenn einer  ein „lieber treuer Partner“ sein will, der mich aber innerlich vereinsamen lässt? …wenn ich da bin, ist’s gut und wenn ich nicht da bin, naja, dann eben nicht… ja toll! Ausreden für meine Nebenabreden zu finden, waren einfach zu einfach (!) …was brauch ich, was will ich? …die Suche nach  dem „Etwas“…was ich mal als kreative Spannung,  als menschlich –feinstoffliches zwischen Partnern,  bezeichnen will… gepaart mit Sicherheit, Achtung, Erwartung… Erfüllung, sexuell und geistig. Wo ist eigentlich sein Verständnis für mich, für meine Musik, für meine Vitalität? Bin kein Stubenhocker im feinem Heim… ja, das hat er, so ganz auf sich zu geschneidert, da hat er eine feine ästhetische Ader und kein Staubkorn zu viel…für mich ist eigentlich kein Platz, nur ich selber fühl mich, wie in eine Schublade gesteckt, eigentlich wie eine Puppe, die man(n) rausholt, wenn es  passt und wenn es  genug war, dann ist sie ja auch schnell wieder „verschwunden“… ich weiß, dass mich diese Beziehung an meine Grenzen stoßen lässt, andererseits tatsächlich im Sturm meines Erlebens immer wieder ab-bzw. auffängt (naja, mach ich mir mal nix vor…wenn er wüsste)…wie lange noch?... erst mal war am Tag darauf Aussprache und Versöhnung angesagt und spontane Hilfe seinerseits beim Autokauf… lähmt ihn sonst die  Angst, von der er sprach?...er hat schon längere Zeit viel, viel Angst, mich zu verlieren…was würde ihm bleiben, wenn...?...und für mich...ist es Kapitulation?...