Lebenslabyrinth - meine Geschichte

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Lebensfragen weiter ungeklärt - Nein sagen lernen

Tagebuch – Osnabrück, 7.10.14

Schon früher war es so, wenn ich mich nicht gemeldet hab, wurde einfach davon ausgegeangen, dass alles gut ist...manchmal wochenlang, dass ich keinen Kontakt zur Familie hatte, während meines Studiums in L... aber meist war es in meinem Innern gerade umgekehrt, ich trug irgendwelche "Kämpfe" aus...und das ist im Grunde bis heute so...meist hat es dann damit zu tun, dass ich in einem Konflikt stehe und keine Lösung in Sicht ist...ich geh an die Grenzen meiner Belastbarkeit, gerade noch so, dass es, wenn auch teilweise chaotisch,  nicht meine berufliche Seite "ruiniert"...persönlich hab ich immer wieder das Gefühl, mich an den Erwartungen von Männern zu verausgaben...


Da ist Andy...ein starker Mann...und er will mich kennenlernen...ja, er schaute schon durch die "rosarote Brille"...nur weil ich beim Kennenlernen auch mal aufs "Äußerste" gehe?...ich gehe gern in die Sauna, am liebsten in eine Therme...aber deshalb will ich noch lange nicht gleich Sex...aber wenn ein Mann "ausgehungert" ist, dann ist kein Halten mehr...seine Berührung ist offensiv - er hat mich zwar vorgewarnt (lach)...er war bis vor kurzem, also sein halbes Leben, verheiratet, fühlt sich jetzt frei...ich mich auch irgendwie(fast)...aber... bei mir kam in Innern nicht das wohlige Gefühl auf, denn mir fehlt die "Feinstofflichkeit", das Feingefühl, an ihm...er ist geradlinig, sicher ehrlich, herzlich, etwas verschwenderisch, recht belesen, schreibt gern und sehr lebendig(!)... das ist es, was mich fasziniert...aber...er steht nicht so wirklich auf Auseinandersetzung, sei es Literatur/Kunst, persönliches oder kritisch-gesellschaftliches...nein, in den letzten Mails gings immer nur um die körperliche Nähe, die er sich wünscht...in gewisser Weise sind es Worte, Gedanken, Sätze, wo sich Charakterzüge offenbaren, die ich von dem Chatpartner, mit dem ich eine intime Beziehung hatte...aber, ich will genau dies nicht noch mal so!...hatte schon überlegt, an dem langen WE mit ihm nach Erfurt zu fahren...ja, und Gartenlaube winterfest machen... alles kein Problem für ihn...Hauptsache mit mir zusammensein ...ich zog die Notbremse - zum Glück war noch nichts gebucht...und nun tut es mir fast leid...aber was lässt mich ausweichen?... ich habe das Gefühl, dass er aus einer sehr anderen, mir befremdlichen, um nicht zu sagen, weniger sympathischen, Lebenswelt kommt...sein Vater ehemals Polizist,also "linientreu" im alten Ost-Regime, er selber zum Armeedienst an der Grenze, Studium nach Vaters Willen, das  ein passables Einkommen garantiert...ein Mann, der im Hier und Jetzt lebt und schon zu DDR-Zeiten wohl so lebte... gewissenslos?- vielleicht wär das zu hart gesagt...gedankenlos? - ein Mitläufer, wie so viele?...unkritisch, Hauptsache ein gesichertes Dasein?... und wo würden meine Lebensideale bleiben?... und dabei weiß er so gut wie noch nix von mir...Vergangenheit ist für ihn auch keine Frage...nach einem überlebten schweren Autounfall interessiert ihn nur das Heute, nicht das Morgen und nicht das Gestern...wie soll ich damit umgehen?...aber irgendwie geht er mir derzeit nicht aus dem Kopf... 

Ein ganzer Monat mit Schweigen - Tagebuch

 

Osnabrück, 25.1.2015

...sie vergingen wie im Flug - die Januartage und da war es wieder wie damals in jungen Tagen -mein langes Schweigen so ziemlich jedem gegenüber - nicht,  weil ich vor Glück alles um mich herum gerade mal vergesse, nein - wohl eher im Gegenteil...  Wem sollt ich mich auch  anvertrauen können? - irgendwie muss ich es mit mir selber auf die Reihe kriegen...


Aber wie verrückt - gerade vor einer Woche erlebte ich, nachdem ich das Büro der Musikschule verlassen habe und im Kopierraum was erledigte, dass die Sekretärin ihren Kopf noch mal hereinsteckte und beim kurzen Wortwechsel noch sagte "...mir fiel es schon vorhin auf, als Sie ins Büro kamen - Sie bringen so eine angenehme Frische mit, Sie sind so farbenfroh, so weg von allem Grau..." ...ich lache zurück und (!!!)... gleichzeitig pocht es mir im Kopf - schlagartig sah ich mich in den Spätsommer 2013 versetzt, als andere mir im größten Kummer ein Kompliment über mein Auftreten machten... und jetzt? - zwar auch längst wieder angekommen im Alltag, aber... während ich scheinbar äußerlich in meiner Art (wieder mal) "wohltuend funktioniere“,  ist im Innern eher Rückzug angesagt… was hält mich gefangen?
Da drehten sie sich wieder mal im Kreis - meine eigenen vorwurfsvollen Gedanken über mein Unvermögen, mich auszudrücken, dass es Andy auch verständlich wurde, was ich wollte… und nun? – Schweigen auf seiner Seite, seit meiner letzten Mail am Vorabend des 24. Dez., später - zum  2. Feiertag, als ich allein im Sonnenschein im Park spazierte, sandte ich eine Sims, ob er Muße habe, zu telefonieren - keine Reaktion, Silvester einen Neujahrsgruß - keine Rückmeldung, schließlich eine eher besondere Ansichtskarte - bewußt ohne Worte von mir, nur mit seiner Anschrift versehen...verlief wohl auch ins Leere.. . aber Schweigen "sagt" ja auch etwas und die Zeit des Nachdenkens kann die Schubladen im Gehirn mal wieder ordnen - vielleicht war es gut so... vorige Woche noch haderte ich und war damit beschäftigt, etwas zu finden, was den Kontakt wieder möglich macht (ein letzter Versuch war noch mal nach einem Monat, am 23.1. per Mail angesagt - keine Rückmeldung)... seit dem Wochenende hat sich die innere Unruhe gelegt, ja es scheint, als könnt ich mich damit abfinden, es akzeptieren, dass es ihn nicht mehr in meinem Leben geben wird...
...schließlich war ich diejenige, die ein Stopschild im November aufgestellt hat - eigentlich wollt ich einen Schlussstrich unter das Erlebte gezogen haben, aber nur, um auf Distanz zu gehen, weil mir seine Art- alles oder nichts - zu aufdringlich war... ich versuchte deutlich zu machen, was mich stört und, dass ich die Verbindung nicht in der Art und Weise möchte, so eben alles "verschwinden lassen" was "anhaftend" stört (wie eben mal etwas mit dem Arm brachial vom Tisch gewischt - einfach weg - so einfach)


Andy: Mail vom 23.12.:
"...Ich habe mich komplett verabschiedet und zumindest nach Außen hin angegeben die Tage unterwegs zu sein!
Ich werde weder meine Kinder, weder meine Eltern noch andere Verwandte und Bekannte treffen oder besuchen.
Ich hab vor, allein zu sein, Geist und Gedanken zu ordnen, wie auch die Freiheit zu genießen, machen zu können was ich will!...
Heut Nacht ist mir übrigens im Traum ein Strickkleid durchs Bild gelaufen, ein Strickkleid mit entzückenden Rundungen! ;-)
Alles Liebe Dir kleine Do!"


genauso in der Mail vom 11.12.:
"Guten Tag liebe, kleine Do (die Du für mich immer bleiben wirst),
Danke für Deine "Gratulations-Mail"!  Richtig in Erinnerung!
Meine Antwort an meine Tochter war:
"Hanni, meinen Glückwunsch zur Geburt Deiner kleinen Tochter!...Es hat mich gefreut, zu erfahren, dass die Geburt unproblematisch verlief und ihr beide wohlauf seid!  Papa"

... einen persönlichen Besuch plane ich nicht!
Wie Du liest bin ich meiner „harten Linie“ treu geblieben, nicht wissend ob ich denn richtig oder falsch handele!
Ich entscheide über mich und über meinen Umgang mit meiner Umwelt in Alleinregie!...
Ich liebe meine Kinder, besonders meine Große, Hanni, wobei ich nicht wirklich glaube, dass es die Drei wissen oder ahnen! Zu stark sind sie im Nebel, im Vorhang, ihrer Mutter oder wie bei Hanni diesem Typen überlassen! ...Gibt es etwas für mich zu feiern? Nein!..."

Und mit welchen Augen hat er mich gesehen?


Andy: Mail vom 12.11.
"...Ich möcht Dir nur - deine Zeilen zitierend: "... so, nun ich habe mich entschlossen, die Gedanken, die ich heut vormittag verfasst habe, auch abzusenden. Solltest Du mich in der Luft zerreissen wollen, dann bin ich froh, dass die Entfernung groß genug ist, dass ich's nicht unmittelbar sofort mitbekomme..." folgendes antworten: "Ich möcht Dich grad jetzt nicht in der Luft zerreißen, ich möcht Dich eher auf Deine süssen spitzen Lippen küssen!" - Das ist eigentlich das Einzige was mir dazu grad einfällt!..."

Andy: Mail vom 17.11.
"...Den Zeilen ganz oben kannst Du entnehmen, dass ich schon ein wenig „hibbelig“ auf Do, auf körperlichen Kontakt, auf Deinen Geruch und Deine wohltuende Wärme bin!
Ich lass Dich jetzt einfach allein mit meinen trivialen, hormongesteuerten Gedanken und bin gespannt was schlaue, etwas introvertierte, jede Situation im Griff habende Menschen  wie Du darauf antworten!
Wenn ich meine Gedanken von eben, grad jetzt, niederschreiben würde, würdest Du sicher nicht mehr antworten…..............................                                                          Liebe Grüße an Dich du kleine Maus! ;-))) "


Andy: Mail vom 29.11.
"...Ich bin dabei unsere Zeit anders einzustufen!
Ich hab Dich im Kopf als Person die ich für mich, für mein Leben, gewonnen habe! Ein Kontakt der mir gut tat, den ich genossen habe, weil vieles -um nicht zu sagen- alles neu!
Ich lasse mir nicht von Kleinigkeiten das Große demontieren und wenn ich Dich getroffen habe dann hätte ich meine Zeit auch anders verbringen können! Wollte ich aber nicht, weil ich Dich kennenlernen wollte, weil da was besonderes war/ist!..."


Andy: Mail vom 22.12.:                                                                                    "...Ich spreche jetzt einfach für mich ( im Baujargon ) da weiter, wo und wie Du es Dir nie anhören würdest wollen:
Da ist also doch das kleine Luder! -die unkomplizierte Gespielin, stillt Ihren Hunger und gibt genauso Nahrung zurück um den Gegenüber satt zu machen!
Man(n) ist überrascht das gerade „Sie die kirchentreue Person“ so intensiv lieben kann!
Genuss ist wohl der beste Ausdruck um zu umschreiben!
Mit Noten! Mit Speisen! Mit Körper!
Ich habe es sehr genossen mit Dir zusammen zu sein!..."

Und mir?...Mir ist sehr bewußt, wie Worte mit verschiedenen Augen (Wahrheiten) gelesen / interpretiert werden und so wohl oftmals auch im Mißverständnis enden müssen...

ich gebe ihm recht, wie er es in einer der regen Mails formuliert hat:
"...Beziehungen ernst gemeinter Art kommen nur vom Herzen! Nur da wachsen sie, reifen sie und nur da werden sie beendet! ...Wir haben nichts verkehrt gemacht nur wohl leider sind unsere Zündhölzer für das Feuer nass geworden..." ,...und:
"... hier liest Du den Unterschied zwischen versuchter, künstlerischer Umschreibung eines nicht existenten, erhofften Zustandes einer weiblichen Person und den nackten Worten eines Mannes!..."

Ja, seine  Wortgewandtheit hat mich fasziniert, auch wenn sie mich "Schach matt" gesetzt hat...

 

26.1.15 18:55

 

bisher 2 Kommentar(e)    


Andreas(1.2.15 08:18)
Hallo Dorehn, was für ein faszinierender Eintrag. So verschlungen und in einer sehr wohltuenden Sprache und irgendwie so bekannt, von wegen Rückzug und Funktionieren. Übrigens hast du mich auf eine Coaching-Seite gelockt (ich habe mich totgelacht!) weil du das "myblog.de" in dem Link bei deinem Kommentar vergessen hast. Danke dafür (für den Kommentar). Liebe Grüße!


Maccabros (4.2.15 08:47)
die nackten Worte eines Mannes...

Gefühle entstehen im Herzen und werden über die Seelen weitergegeben -
eine sehr gefühlVOLLE Erzählung...

LG
Maccabros