Lebenslabyrinth - meine Geschichte

Letztes Feedback

Meta



Gratis bloggen bei
myblog.de





 

Tagebuch – Osnabrück, 20.9.14...verbranntes Erinnern

... wie in einer Endlosschleife geht mir eine längst vergangene Begebenheit nicht aus dem Sinn...eine aus heutiger Sicht fast belanglose kleine erste Liebe...ich, damals Ende 9. Klasse, war erstmals an der Ostsee in den achtwöchigen Sommerferien - durch einen Ferienjob in einem (Pionier)-Ferienlager mit deutschen und tschechischen Kindern auf der Halbinsel Darß... ich vediente mir Feriengeld als Küchenhilfe- das hieß, früh um 6uhr anfangen...und wenn gutes Wetter angesagt war, gab es Lunchpakete über den Tag für die Kids und dann hatten wir als Helfer auch über Mittag frei und konnten das Meer, Strand und Wellen, für 2-3 Stunden genießen...und ich wollte mehr von dieser wunderbaren kleinen Insel, von den Muscheln im Sand und die salzige Luft atmen - halt ganz anders, als in heimatlichen Gefilden...also fuhr ich mit meiner 1 Jahr ältere Schwester Friedlinde, zu der ich damals die meiste Bindung hatte, gleich noch mal nach Ende des Jobs mit Zelt und Miniausrüstung auf die Darß...fast zeitgleich schlug neben uns eine Jungengruppe aus dem Harz ihre Zelte auf... der große, sportliche Blonde...er kam auf mich zu, ca. 2 Jahr älter...und es war zum ersten Mal mehr als ein bisschen Händchen halten...wir blieben auch nach den Tagen in Kontakt...ich fuhr ihn besuchen...seine alleinerziehende Mutter erwartete, dass ich zur Nacht neben ihr im Ehebett schlief und nicht bei ihm - na, das reizte doch um so mehr, sich im passenden Moment davon zu stehlen ;-)) ...und auch umgekehrt, er kam mich mal besuchen zu Hause... Platz war ja eigentlich nicht so richtig für Übernachtungsgäste, wir Mädels schliefen damals zu viert in einem Zimmer...also aufs Sofa mit dem Besuch...von unserem Schicksal hatte ich ihm noch nix erzählt... er wunderte sich über unsere altmodischen Vornamen und irgendwie wollt er schon wissen, was mit meiner Mutter war...gesprochen hab ich nicht darüber...ich schrieb ihm einen Brief...daraufhin trat "Funkstille" ein...und dann kam ein Päckchen mit einem Brief von der Mutter - er war "mütterlich-besorgt" geschrieben- sie hatte meinen wohl zu Lesen bekommen und nun "schimpfte" sie über ihren Sohn, dass er mich einfach fallen lässt und entschuldigt sich für ihn, dass es vorbei sei...sandte sogar ein paar süße Sachen mit...und schrieb, dass sie meinen Brief vernichtet hat...warum? -naja, wegen des Inhalts - damit er keinem weiter in die Hände kommt...und ich?...fühlte mich irgendwie...ja fast zum Sterben bereit...ich fiel mit Heulkrämpfen ins Bett und lag 3 Tage mit Fieber und Erbrechen nieder...

Später im Studium erlebte ich es ähnlich, als mein Lehrer mich fragte, weil es ihn wunderte, dass ich nie vom Elternhaus erzählte und um der "Bedrängnis" ein Ende zu setzen, schrieb ich es ihm...erschütterndes Bedauern bekam ich zu hören und dass mein Brief in Flammen aufging...warum ist das bis heute so, dass ich "verbrannt" werde - ein Teil meines Lebens in Worte gefasst - vernichtet wird?... selbst Jürgen, der mir dieses Frühjahr klar zurück schrieb, dass ich doch keine Schuld trage - das ist mir ja auch längst bewußt - zog sich zurück...mich in Zukunft schützen und nichts mehr sagen?...die Eltern sind schon verstorben -fertig -  Themenwechsel...

Als ich meiner 1Jahr jüngeren Schwester Erdmuthe dies mit Jürgen bei einem Telefonat erzählte...entglitt ihr ein "Sch..." und sie belehrte mich eines Besseren: "bevor's nicht um ernsthaft zusammenziehen etc. geht, erfährt Er nichts - dann aber sollte schon noch "besenreiner  Keller" gemacht werden...ja, wie soll auch ein "normaler Mensch" damit umgehen - kann er gar nicht - das kriegt der im Kopf nicht zusammen...nein, auf keinen Fall so früh!" ...aber Schweigen wollen Männer stattdessen auch nicht "hören"...also die kurze Notlüge her... manches erklärt sich im Grunde nur aus dem Kindheitserlebten...  so auch von meiner (7-jährigen) Ehe mit dem Vater meiner Kinder zu sprechen, kann ich fast nicht losgelöst davon, weil dann "die Warums" im Raum stehen bleiben...seit dem Hochzeitstag, damals gleich nach der Wende, wußte ich schon, wie ungleiche Partner wir waren, wollte es aber noch nicht mal mir selber eingestehen...bis es einfach nicht mehr ging...andere können gar nicht verstehen, dass es zu solch einer Verbindung gekommen ist...oder sie denken, ich hätte ihn nur geheiratet, um im Westen erst mal "unterzukommen"...aber dies alles ist wirklich ein eigenes "Kapitel"...