Lebenslabyrinth - meine Geschichte

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Osnabrück, 5.3.2015

- Erinnerung an die Zeit in Melle (1) - Das Ende der Ehe

Bald ist Mitte März - da steht der Geburtstag meines Sohnes an - jetzt zu Anfang März - vor mehr als 15 Jahren - war es die Zeit der endgültigen Trennung von meinem Ex Matthes - und Ende Februar - ist sein Geburtstag und fast zeitgleich ist nun "Mr. Spock" verstorben - eine Schauspieler-Ikone - den ich "damals" kennenlernte - also in den Neunzigern - da ich gern mal, wenn es denn zeitlich ging, bei der Enterprise-Fernsehserie, die sich Matthes nachmittags "reinzog", mitschaute und zu einer Star-Trek-Nacht im Kino war ich mit ihm auch eimal - es hatte schon was spannend unterhaltsam-fremdartig-faszinierendes... "damals" im Jahr zuvor - in den Nachrichten wurde von einem großen Star-Trek-Fan-Eventtreffen in den USA berichtet, zu dem auch deutsche Fans reisten, was Matthes cool fand... und mir rutsche unbedacht ein Satz raus: "ja, die haben's drauf" - mit einem leicht grinsend-ironischen Unterton... was lässt diese Erinnerung so wach bleiben?

...die Ehe lief nicht mehr, was die Jahre schon untergründig latent immer mitschwang, war äußerlich nicht mehr als Fassade aufrecht zu erhalten...ich bekam aus den Spannungen heraus nächtliche Angstzustände - ich konnte nicht mehr neben ihm schlafen, fühlte mich "bedroht" und bekam erst etwas innere Ruhe wieder als ich für die Nacht ins Arbeitszimmer auf die Klappcouch umzog - Schlaf brauchte ich, denn am nächsten Tag musst ich wieder die "Familienbrötchen" verdienen - Matthes war wie eh und jeh arbeitslos, er bekam charakterbedingt kein Bein auf die Erde, um im Berufsleben bestehen zu können, so dass Haushalt und Kinderbetreuung situationsbedingt als Pflichtprogramm seinerseits zur Aufgabe wurde...

...oft spürte ich im Halbschlaf, wie Simon die Tür öffnete und sich unter meine Bettdecke kuschelte...manchmal kam auch noch Mirjam, dann konnte es echt eng werden...

...doch was war das? ... plötzlich wach, kein Kind neben mir - ich spürte Schläge auf meinem Kopf, Fausthiebe trommelten auf mich, ...ich versuchte mich aufzurichten - da sah ich das Gesicht von Matthes vor mir, wie er wütend "den Satz" mir entgegen schleudert, der mir abends zuvor über die Lippen kam,...

...der ihn zur "Weißglut" getrieben hat? ...wie muss "dieser" ihn verletzt haben - ja, das war meinerseits unbedachtsam(!)  - ich saß da, unfähig zu schreien, wie erstarrt ...im Kopf raste es -  wie konnt er nur "dies" mir antun? - mir? - er wußte doch, wenn auch nur mit wenigen Sätzen - um das meinige Familientrauma... das - was ich bis dato nur fühlend nachempfunden hab - war jetzt zur Erfahrung geworden... wobei ich weniger den Schmerz spürte als vielmehr Erinnerung aufbrach - an Schlaf war nicht mehr zu denken... Am Morgen ein kurzes Entschuldigen seinerseits, beiderseits...

...nach dem "Gute-Nacht" am nächsten Abend drehte ich von innen den Schlüssel um, im Halbschlaf hörte ich leises Klopfen , ich öffnete die Tür und ließ eine kleine Gestalt unter die Bettdecke schlüpfen...

 

Die Zeit in Melle (2. Teil) - Therapiebeginn

...die Schritte fallen mir nicht leicht - jetzt steh ich vor der Praxistür - drücke die Klinke - finde eine kleinen Empfangsraum mit 3 Stühlen vor, setze mich, warte...  bald darauf öffnet mir eine zierliche Frau die Tür zum Therapieraum, begrüßt mich freundlich und stellt sich als praktizierende Psychologin vor.

Nun sitze ich ihr gegenüber, sie hält Stift und Schreibblock bereit und sieht mich fragend an... ich bin dran - hämmert es im Kopf, jetzt muss ich was sagen - warum ich sie aufsuche... womit fang ich an?, was ich das wichtigste?, ist nicht alles irgendwie gleich gewichtig?...innerlich stehen Felsbrocken vor mir, unüberwindbar, nicht dran vorbeikommend - Krise - im Kopf nur noch Chaos... und immer noch kein Wort über meine Lippen... ob sie - die Psychologin - weiß oder erahnen kann, was in mir grad vorgeht?... sie beginnt Fragen zu stellen - endlich Struktur - ja, so formen sich fast stimmlos die ersten Sätze - sie klingen mir so fremd... und dann brechen sie los, die Tränen... ein Taschentuch wird gereicht... allmählich kann ich mir Luft machen, was mich derzeit am meisten bedrückt - die gespannte Atmosphäre in der familiären Beziehung, mein Fremdsein hier, meine Zukunftsängste...  -und dann die Frage, woher ich komme, wie es in meiner Familie aussah...

Ich wollt im Boden versinken, die Worte wollten nicht meinen Mund verlassen, ich war nicht mehr fähig, was zu sagen - obwohl ich im Vorfeld mir schon Worte zurechtgelegt hatte - ich ahnte es im voraus, dass "sie" kommen wird - diese Frage... bisher hatte ich in meinem Leben nur gewagt schreibend mal nur in paar Sätzen oder brieflich ausführlich diese - meine Kindheitssituation zu schildern... aber aussprechen?... unsäglicher Scham ergriff mich, mein Verstand war unfähig dieses Gefühl zu bändigen... trotzdem diese erste Sitzung mit der mir an sich überpeinlichen Situation endetete, fühlte ich mich erleichtert, endlich, endlich diese Tür geöffnet zu haben...

Noch im Sommer war ich auf Mutter-Kind-Kur von meiner Hausärztin "geschickt" worden...das einzig Gute dran war, mal für 3 Wochen raus zu sein aus diesem häuslichen Spannungsfeld...ansonsten eine "farce" - vor allem Simon hatte noch keine Kita-Erfahrung und somit standen andere Probleme an, wo nicht mit Unterstützung der Kurheimleitung zu rechnen war...zu guter letzt hab ich mich auf ausgedehnte Ausflüge mit den Zweien konzentriert, um uns wenigstens die Zeit angenehm zu gestalten... 

Nun galt es, die Konzentration ganz auf mich selbst zu richten... ausweichen auf anderes  unmöglich - ich allein saß auf dem Stuhl der Therapeutin gegenüber...ein langer, schwerer Weg, der aber auch Sicherheit gebend war...