Lebenslabyrinth - meine Geschichte

Letztes Feedback

Meta



Gratis bloggen bei
myblog.de





 

Blogeintrag vom 7.2.2015

Berlinreise – ein kontrastes Wandeln in anderen Lebenswelten

1. Februar -So.-abend -19.30uhr: der 3. Gong...wir nehmen schnell unsere Plätze ein und schon gehts los, der erste Schauspieler betritt die bis in den Zuschauerraum vorgezogene Bühne im Großen Saal der "Volksbühne" , setzt sich an den leicht geöffneten Flügel und beginnt zu spielen... ich trau meinen Ohren nicht - das ist doch - klar - das ist das berühmte Thema des 2. (Variations-)Satzes aus Beethovens "Appassionata" und er spielt und spielt... bin ich im Theater?oder  bin ich im Konzert?...da - nach einigen Minuten tritt "Sie" auf mit Reisekoffer und leichten Mantel, den sie ablegt - erregten Blickes, ohne ein  Wort zu sprechen...der Pianisten spielt weiter und ist mittlerweile mit seinem perfekten Spiel bei dem kraftvollen Akkorden des 3. Satzes angekommen... während er unbeirrt weiterspielt stellen sich die weiteren Akteure agierend vor, noch versteht man dieses Spiel im Spiel nicht, ich erlebe es mal als kroteskes und mal als amüsierendes Spiel, fast wunderlich...


Mirjam hatte mir zu Weihnachten einen Gutschein für den Besuch der "Volksbühne" geschenkt und..., da ich in der Ferienzeit zu Neujahr mich nicht aufraffen konnte, wollt ich wenigstens das vorige verlängerte WE zu den Halbjahreszeugnissen nutzen... und das war genau das, was ich jetzt brauchte...
Ich musst mal raus – raus aus meiner alltäglichen Umgebung, andere Luft, neue Anregungen und Eindrücke tanken… und gleichzeitig kam der viele Schnee- endlich mal(!), der auch Osnabrücks Natur aus dem Grau riß, so dass ich kurzerhand bevor ich nach B startete am Samstagmittag erst noch zuhause mit meinen  Langlaufski  eine Runde "drehte" und  die friedvolle winterliche Stille im Wald in mich aufsaugte… dann brach ich gleich zur Autobahn auf, das Auto war schon bepackt als "Transportesel" mit all den Sachen, die Mirjam sich aus Omas aufgelösten Hausrat für B herausgesucht hatte - und noch so manch anderes auch für Simon...
... in B waren längst nicht diese Schneemengen gefallen … dort war eher schon Frühling angesagt, da sah man die Krokusse und die Weidenkätzchen sprießen als wir am Sonntagmittag zum Britzer Volkspark fuhren… erstaunlich, wie groß mir dieser eher naturell angelegte Park erschien, ich war überrascht von der Weitläufigkeit und natürlichen Vielfalt - auch wenn man der Jahreszeit entsprechend sie nur erahnen konnt...


Sonntag - ca. 20uhr: ...das (Schau-)Spiel ging weiter  - eine der blonden Akteurinnen packt  ihre Violine aus und spielt im Live-Vortrag Solopassagen aus Beethovens Violinkonzert, "packt" gestig ihre Stimmungen hinein, mal schwelgend, mal trotzig -wütend, mal einfach ihre geniales Spiel zeigend... man ist hin und hergerissen, was hier eigentlich die Hauptrolle spielt... aber diese meisterliche Musik ist vom Regisseur so gewollt, er nennt es auch "Schauspiel mit Musik nach..." - die Rede ist von der Inszenierung  "Pelléas und Mélisande" an der Berliner Volksbühne - ein reichlich zweistündiges Werk ohne Pause...


Geschlafen hatte ich nicht ganz so gut in der Nacht zuvor, aber der Sonntagmorgen fing gemütlich an, dann der Spaziergang über Mittag und dann... Mirjam hatte bereits im Vorfeld meiner Anreise mich angefragt, ob ich Freunden von ihr, einem jungen afrikanischen asylsuchenden Künstlerpaar, beim Transport ihrer Habseligkeiten in ein besseres Wohnumfeld helfen könnt... wir fuhren zum Nachmittag unweit von Simons  Bleibe in Neukölln zum verabredeten Ort hin, parkten in einem unwirtlichen Hinterhof und dann kamen sie uns schon mit vollbepackten Plastiktüten und einem zerlegten Bett entgegen...als mein Auto überquellend mit halboffener Heckklappe wegen der Doppelmatratze, die hinten rausragte, nach 20min "startklar" war, erfuhr ich, wohin ich nun damit fahren sollt... die anderen wollten per S-Bahn mit den restlichen Sachen, die einfach nicht mehr reinpassten, nachkommen...mein Navi lotste mich voll aufs Zentrum zu, entlang der gläsernen Fassaden des Potsdamer Platzes und durch den Tiergartentunnel heil, wenn auch "irregeführt", endlich einer kleinen Seitenstraße im Moabit zu...ja, das alte bürgerliche Jugendstilhaus sah wesentlich wohnlicher aus...zwei Afrikaner erwarteten schon mein Kommen und begannen sofort alles in den 5. Stock zu tragen...nach getaner Arbeit kamen endlich die anderen an... in den Augen des Pärchens und ihrer Freunde stand echte Dankbarkeit für die Hilfe, die junge Frau umarmte mich stellvertretend mehrmals...
Nun hieß es sputend wieder zurück zu Mirjams Bleibe in Treptow, um sich fürs Theater zurecht zu machen, die bestellten Karten sollten auch bereits 45min vor Beginn abgeholt sein...

    
So - ca. 21uhr: die (Spiel-)Zeit vergeht ohne dass man es merkt -keine Spur von Emüdungserscheinung...inhaltlich steht  die Frage nach dem Sinn des Dasein im Raum, mit Fluchtgedanken aus der Einöde und der Beziehungsenge und der Suche nach dem (Liebes-)Glück... das dramatische dabei wird teilweise so überspitzt, dass man lachen muss... ein zwar nicht in allem verständlicher Handlungsstrang, der wie ein "Bild ohne Titel" aber gefühlsmäßig fassbar ist...
21.45uhr -Applaus: der Blick auf die Uhr überrascht...tatsächlich "schon" zu Ende... Die Frage nach einem Programmheft im nachhinein war zwecklos, es gab gar keins, nur auf persönliche Anfrage  wurde hinterm Tresen eine Künstlerliste aus einer Schublade geholt... Ich finde, die Leistung der Künstler und das Stück hätten diesbezüglich mehr Beachtung finden dürfen...


Mirjam und ich sind sich einig - schade, dass Simon nicht zu überreden war, den Theaterabend mitzuerleben... er bräuchte es auch - raus aus seinem Umfeld zu kommen...schon bei meiner Ankunft am Samstagabend, als ich ihm Sachen vom Weihnachten mitbringe, seh ich (mal wieder) sein verwahrlostes Zimmer, das seine Antriebslosigkeit "offenbart"...will ein Mensch wirklich so leben?... zum gemeinsamen Abendessen beim Italiener taut er ein wenig auf... er isst aber hastig, ohne innere  Ruhe, kommt regelrecht ins Schwitzen... dann drängt er zum Aufbruch, er will noch zu einer "Party"... den Sonntag über gibt es nur kurze telefonische Wortwechsel, er verbringt den Tag im Bett... Montagvormittag steht die Verabredung, dass wir noch mal zum gemeinsamen Einkauf uns sehen, bevor ich mittags die Rückreise antrete... beim Kommen öffnet uns sein Mitbewohner, bzw. einer seiner Kumpel, denn Simon liegt  "krank" im Bett, Mirjam steht auch etwas ratlos da... ich fordere ihn auf, sich an die Verabredung zu halten... mein Blick fällt auf ein Mahnungsschreiben von einer RA-Kanzlei... eine Versäumniszahlung über reichlich 100,-€ fürs Schwarzfahren... hatte er nicht von Dieter, der uns in den Weihnachtstagen besuchte, Geld bekommen, um die Schwarzfahrerei zu begleichen?... innerlich zerrissen, stecke ich die Rechnung ein... war es richtig?  Beim Einkauf platzt er mit seinem Frust über die Dauergäste des Mitmieters raus, die ihn "krank machen"... ich hoffe, dass mit seinem geplanten Auszug er endlich in etwas geordnetere Verhältnisse kommt... und hoffentlich nimmt er die Gelegenheit wahr, in einer Pizzeria arbeiten zu können - den eigenen Geldverdienst bräuchte er dringend...aber wird er dazu in der Lage sein?... Mirjam "verriet", dass er täglich bei einer Arztpraxis erscheinen muss ...auf weitere Fragen dazu bekam ich nur die Antwort "das ist Simons Sache, ob ich es erfahren sollt"...


Wieder angekommen zuhause in der angebrochenen Dunkelheit setz ich mich ans Klavier, schlag die Noten von Beethovens  2. Satz der Appassionata auf und beginne seit langem mal wieder darin zu spielen...gedanklich war ich dabei noch in Berlin in den anderen Lebenswelten...

 

1.4.2015 – am Schluss des Blogeintrags:

...ein kleiner Lichtblick - heute endlich, nach mehreren Versuchen in den vergangenen 2 Tagen Simon telefonisch zu erreichen, meldet sich nicht nur die Mailbox -  ich hör seine Stimme! - wohlklingend, entspannt... noch vor zwei Wochen hieß es, dass er heute mit anderen zusammen (Kumpels) über Ostern nach OS kommen wollt... nun wird es wohl erst am Freitag - Karfreitag - das heutige Wetter würde ganz zu diesem Tag passen... ich glaub, jeder ist froh, wenn dieser Tag vorbei ist - ...wobei ich trotzdem, als ich vorhin meine Mails durchschaute, auf der Login-Nachrichtenseite bei einer aktuellen Umfrage, ob das Verbot von Discos am Karfreitag noch gerechtfertigt sei - dies befürwortend angeklickt habe (lag damit auch "im Trend" -über 50% hatten schon mit Ja geantwortet)... nun bin ich gespannt, wie das WE mit Simon wird - er hatte ja - wie jedes Jahr - am St.-Patrick's-Day seinen Geburtstag und hat 3 Wünsche - den einen davon möchte ich, aber kann ich ihm nicht so ganz bedingungslos erfüllen - da heißt es erst mal miteinander reden...

 

Blogeintrag vom  12.4.: ...am Ende des Lebens – Erinnerung an 2008

...die Osterferien sind vorbei - die Arbeit steht vor der Tür und mit ihr sind Mo- und Dienstagabend jeweils Chorproben zu leiten, bei denen ich Todesnachrichten den Chormitgliedern überbringen muss... davor scheu ich mich, vor allem, weil keine altersbedingten Umstände der Grund sind... in den Ferien kreisten ständig meine Gedanken um die beiden Menschen, die nun nicht mehr unter uns weilen...besonders Karolas Zustand hat mich arg mitgenommen, alte Wunden sind aufgebrochen worden...

Es erinnerte mich an die letzten Tage meines Vaters im Frühjahr 2008, als er damals hilflos den Apparaturen in der Rehaklinik ausgeliefert war, geschwächt bis an die Grenze der Wahrnehmungsfähigkeit, unfähig sich zu bewegen,  sich kaum noch verständlich machen könnend - sprachlich gar nicht durch den Luftröhrenschnitt, nur noch mit angedeuteter Mimik... als ich vor seinem Krankenbett mit meinen beiden Kindern an einem heißen Mai-Nachmittag stand, den Anblick der Lebensqual kaum ertragend, nahm ich seine Hand und fragte ihn, ob er das Vaterunser beten möchte, was er mit einem kurzen Augenaufschlag erwiderte - für unser beider Frieden Willen - in den letzten Jahren vor dem Schlaganfall war es eine sehr gespannte Beziehung zwischen uns  - zuviel Unrechtes stand dazwischen - und so hielt ich seine Hand während ich gebrochen leise weinend das Gebet sprach "...vergib uns unsere Schuld, wir auch vergeben unsern Schuldigern..." Worte - die in dem Moment Erleichterung brachten - ich spürte, dass er dankbar für das Gebet war... Mirjam fasste dann Mut und sprach ihn an und erzählte ihm, dass sie das kommende Schuljahr,  also in der 11. Klasse, in Tschechien, vor den Toren Prags, verbringen wird - da erhellte sich sein Gesichtsausdruck - denn es war seine alte Heimat als ehemaliger Sudetendeutscher... es war die letzte Begegnung vor seinem Tod, 2 Wochen später starb er, gehalten in den Armen meiner jüngeren Schwester...als sie mich darauf um Mitternacht anrief, zündete ich eine Kerze für seine Seele an - wir waren uns einig und dankbar, dass die Erlösung für ihn doch recht bald kam...

31.5.  Teil des Blogeintrags „viel geschehen im Monat Mai“:

...ja, heut ist noch chorische Aktion angesagt, halt wieder voll im Alltag... das dauert noch ein paar Wochen so an... bis die Sommerferien kommen... am nächsten WE "muss" ich allerdings mal nach Berlin um nach dem Rechten zu sehen, was Simon so macht... er erzählt, er hätte einen 400,-€ Job in einer Pizzeria...bin wie er auf die Auszahlung ja nun am Ende des Monats gespannt... er war schon Anfang des Monats wieder in ein Minus um die 100,-€ gerutscht, so dass er kein Geld mehr am Automaten bekam..."schöne Sch..." - was tut Mutter, wenn ihr geklagt wird, dass er doch 2 Hosen für den neuen Arbeitsbeginn braucht etc. pp.? ...so hab ich ihn in kleinen Raten Geld zum Überleben überwiesen...

Blogeintrag 20.7.2015:

Mirjam und Simon - mein letzter Besuch (Teil 1)

In ein paar Tagen beginnen  die Ferien…endlich! – die letzten Wochen waren heftig überfüllt mit Arbeit, die irgendwie bis zur Sommerpause geschafft sein musste… und nun hoffe ich, dass ich bald auch meine Kids wiedertreffe und mal für sie ein bisschen Zeit haben kann…
 Es sind ja schon einige Wochen her, dass ich sie in B besucht hatte, an dem WE zu Fronleichnam - Freitag in aller früh war ich aufgebrochen und schon zum Vormittag in B angekommen – da war's auch schon ziemlich heiß gewesen…  so heiß, dass ich mit Mirjam baden fuhr zum Langen See, nachdem wir auf ihrem kleinen „Öko-Gemeinschaftsfeldchen“  am Berliner Stadtrand bei Rudow ein paar Kürbispflanzen u.a., was sie auf ihrem Balkon in Töpfen gezogen hatte,  in die viel zu trockene harte Erde gebracht hatten…danach - kurz vorm Badeziel - auf der relativ ruhigen Uferstraße - ließ ich sie mal  ans Steuer zur Auffrischung des Fahrgefühls nach zwei Jahren des Nichtfahrens – naja..., ich war froh, als sie mein Auto dann heil abgestellt hatte ;-) und wir erst einmal ins kühle Nass springen konnten, denn das Schwitzen kam nicht nur von der Sonne, sondern zusätzlich von der Anspannung auf dem Beifahrersitz… auf dem Rückweg wirkte sie dann schon „eingefahrener“… mein Besuch war ja für sie mitten in der Semesterstudienzeit - sie hatte an sich wenig Zeit, so dass wir es erst am Sa-abend schafften, uns zu dritt mit Simon mal zu treffen zum Essen, frisch mitgebracht vom „Azzam“ – wie Simon meint – dem besten  türkischen Restaurant auf der Sonnenallee... er selber litt gerade unter heftigen Kopfschmerzen, so dass er in Mirjams schönen neuen geräumigen WG-Zimmer ihrer ehemaligen französischen Mitstudentin auf der Doppelcouch lag nach dem Essen - ...ins Gespräch kommen, war so erst mal nicht angesagt... den Tag über (Samstag) hatte ich allein verbracht...morgens ein bisschen E-Mails erledigen und danach hieß es - aufbrechen in die Innenstadt - ich wollte mit die "Impressionisten-Expressionisten"-Ausstellung an der Museumsinsel anschauen...

Reden mit Simon ergab sich dann erst zum So-Mittag, nachdem ich mit Mirjam sehr angenehm  sitzend und plaudernd ein Frühstück beim Cafe  "Zimt & Mehl - Manufaktur" am Weigandufer  des Landwehrkanals bei Neukölln einnahm. Verabschiedung und Aufbruch zu Simon, der mich wieder eher erst mal mürrisch empfing - aber so schnell ließ ich mich nicht abwimmeln...
 

Blogeintrag 23.7.2015:

Mirjam und Simon (Teil 2)

...ich wußte um sein Problem der neuen Wohnungssuche, da die "nette" Mieterin sein Zimmer für den Eigenbedarf nun haben wollte...sein Zimmer sah verwahrlost aus, was mich enttäuschte, denn er hatte mir am Abend zuvor ein Foto seiner  Freundin Michelle gezeigt (!) - durchaus mit gewissen Stolz ...scheint ein nettes Mädchen zu sein - Mirjam kennt sie vom Studium her ... ich frage ihn vorsichtig, ob er ihr denn hier Zugang gewährt  - mein Inneres schreit "oh Gott!" ... dann ein leises Jammern - "ich weiß nicht mehr weiter" ... mein Blick fällt auf ein gerichtliches Schreiben  und eine Vorladung bei der Polizei auf dem kleinen Ablagetisch neben seiner Schlafcouch... ich überlegte noch, wie ich frage, als er  unverhofft von allein begann von seinen Problemen zu erzählen... da waren wieder Schulden zu begleichen, von der gleichen "Firma" wie schon bei meinem Besuch im Januar... Ihm wieder "den Schuldschein" abnehmen?-schwirrte durch meinen Kopf - "Nein!" -sagte ich mir...und laut fragte ich, ob er vielleicht dieses Geld in Raten abzahlen könnte(?)...ein Blick auf das Schreiben: und meine Bitte, doch mal im Internet nach einer Homepage und Mailadresse dieses Inkasso-Anwaltbüros zu suchen und siehe da(!!)- da stand gleich auf der ersten Seite  der Link zur Ratenzahlungsmöglichkeit - ausfüllen mit einem kleinen Minibetrag über ein halbes Jahr war angesagt und eine gewisse Erleichterung seinerseits war sichtlich spürbar... aber... der Pizzeria-Chef hatte für die paar Arbeitseinsätze im Mai noch kein Geld gezahlt -wollte es erst  Ende des nächsten Monats zahlen... meine Frage, ob er den Mut habe, ihn anzusprechen, dass er jetzt schon Geld braucht, bejahte er...wollte das Gespräch gleich übermorgen machen, wenn er ihn bei der Arbeit antrifft... und... meine nächste Frage brannte mir auf den Lippen, denn ich hatte schon ein paar Tage vorher am Telefon gefragt: "wie sieht es mit einer Azubi-bewerbung aus?"... noch nichts unternommen... ich hatte ihm schon mal vorgerechnet (um von dieser Jobcenter-Schikane wegzukommen) was er alles finanziell bekommt: wieder sein Kindergeld, Ausbildungsgeld natürlich, vielleicht eine Art zusätzliches Bafög, um allein überleben zu können, Wohngeld... natürlich ist das auch nur mit viel Aufwand nur zu haben, aber er gewinnt  Anerkennung (!), da läßt sich auch ein WG-Zimmer eher finden... also, wir suchen im Internet nach einer Koch-Ausbildung - und siehe da - unweit wird im Restaurant eines großen Möbelgeschäftes eine Ausbildungsstelle angeboten... ich gebe ihm den Rat, doch einfach mal vorbeizugehen, sich "den Laden" als Kunde anzuschauen und baldmöglichst eine Bewerbung zu senden...und wenn nicht - also an Angeboten mangelt es jedenfalls nicht auf der Internetseite...aber... natürlich weiß ich um seine inneren Probleme, "das Leben" in die eigenen Hände zu nehmen...er erzählt, dass seine Psychosozialbetreuung erst von der Hausärztin neu beantragt wurde und von der KK genehmigt sein muss...hoffentlich - denk ich... und...da sind noch die zwei Vorladungen von der Polizei...er wird wütend - "Da geht man doch nicht hin!", sagt er genervt und begründet es (aha - Mutter hat was dazugelernt)... zum Glück sind es "nur Kleindelikte" - aber, er gehört zu denen, die es erwischt, immer wieder - das wird wohl  ein Abarbeiten mit Sozialstunden nach sich ziehen...
Wir machen uns auf zu unserer "Stammpizzeria", es ist bereits 14uhr und eigentlich wollte ich schon die Rückfahrt angetreten haben... aber so am Eck zur Seitenstr. hin bei schönem Wetter sitzt es sich gut... Simon ist nun wesentlich entspannter, ich glaub, innerlich froh, nun nichts mehr verbergen zu müssen... er erzählt mir, dass er seit knapp 4 Wochen nichts mehr "nimmt"... aber... er in der Nacht oft nicht Schlaf findet, er Alpträume hat... ich kenne durchaus diese ausweglos erscheinende Situation, völlig aus dem Tag-Nacht-Rhythmus geworfen zu sein - erzähle ihm aus der Zeit in Melle - damals hat meine Hausärztin mir bewußt Schlaftabletten verschrieben, um erst mal wieder "auf die Beine" zu kommen, ich musst ja auch! -schon der Kinder wegen... und... dann erzählt er mir noch von Michelle - ohne sie schon selber gesehen zu haben, ist sie mir sympathisch...nur ein krummeliges Gefühl hab ich...  irgendwie tut es mir für sie leid, dass Simon derzeit immer noch so ein "Taugenichts"-Lebenswandel hat...anderseits hoffe ich, dass die Beziehung ihm gut tut... Es wird Zeit, dass ich aufbreche, ich geb ihm noch ein bisschen Wochengeld und dann eine wirklich herzliche dankende Umarmung seinerseits... ich war erstaunt, dass er dazu fähig ist...
Ich fahre los, bin schnell auf der Stadtautobahn und dann auf der Spur gen West...Mozarts Ouvertüre zum "Figaro" schallt mir im Radio entgegen - da rollt das Auto fast von allein... ich war froh, den Kurztrip gemacht zu haben... die Türen offen zu halten, die sich zu schließen begannen ...leider erfahr ich in all den Wochen aus der Ferne immer wenig... ich wünsch mir ja, dass beide Ihr Leben leben...aber natürlich auch, dass sie es bewältigen... beide haben mit sich zu kämpfen, auch Mirjam hat Probleme, wenn auch nicht auf der Ebene von Simon... und ich? - ich auch...