Lebenslabyrinth - meine Geschichte

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Erinnerung: 22. Mai 1992 -Darmstadt

Sie sind schon da! - eine ganze Stunde früher als angekündigt! Ich spür mein Herz heftig schlagen beim Anblick des parkenden hellblauen Peugeot mit dem Kennzeichen EF vor mir. Nun fehlt mir nach dem stressigen Studienvormittag in der Akademie die innere Vorbereitung für das Zusammentreffen hier! Ich sitz in meinem Auto nicht ganz vor dem Eingang des Mehrfamilienhauses, in dem wir seit knapp einem Jahr wohnen. Zum Glück kann mich hier durch die davorstehenden Bäume keiner vom Fenster aus sehen. Ich muss ein paarmal tief Luft holen, Angstschweiß bricht aus bei dem Gedanken jetzt ins eigene Domizil gehen zu müssen. Beim Aussteigen, auf dem Bürgersteig und beim Treppensteigen übe ich mich in vorgetäuschter Gelassenheit, auch wenn meine Füße lieber rückwärts als vorwärts gehen wollen. Ich öffne die Wohnungstür, Matthes, mein Mann, steht mit Mirjam auf dem Arm vor mir und deutet nur ins Wohnzimmer, bevor er sich ins Kinderzimmer verzieht. Ja, da seh ich sie am Esstisch sitzen - mein Vater mit seiner neuen Frau und mein Bruder Johannis, der Jüngste von uns Geschwistern, mit seiner mir schon immer unsympathischen Freundin Sandra- aber gäbe es hier überhaupt jemand der  mir heute sympathisch wäre?

Es ist schwül im Raum, auch wenn gefühlsmäßig grad Eiseskälte herrscht. Ich biete nach kurzer Begrüßung höflich verschiedene Getränke an und dann soll es schnell an den Grund ihres Blitzbesuchs gehen– ich weiß schon, meine Unterschrift wird gebraucht und soll heute getätigt werden!

Ich fühl mich bedrängt und versuche noch mal deutlich zu machen, warum ich nicht meinen Miteigentümeranteil am ehemaligen mütterlichen Mehrfamilienhaus in Weimar unter diesen Bedingungen abgebe, so ohne Gutachterprüfung mich „abspeisen“ lassen –nein! Im Innern denk ich, dass sich unsere Mutter „im Grabe umdrehen täte“, wenn sie das Szenario hier erleben würde! Und da bricht er los…der Sturm der Entrüstung, den ich schon im Vorfeld gefühlt habe! Was für herzloses Wesen ich bin! Mein Bruder kommt wegen mir nicht an die derzeit guten staatlich Baukredite für die Sanierung, nur wegen meiner (!) elenden „Verzögerungstaktig“! In mir macht sich die Barriere noch breiter…wo ist hier Recht und Unrecht? Gilt Vaters Bestimmung eben mal so als Recht? Ja, es hat hier zu gelten, Punkt, basta!! Seine Stimme überschlägt sich, er brüllt so laut, dass wahrscheinlich alle im Mietshaus mithören, was hier abgeht…und er läuft rot an, schnappt nach Luft…Panik erfasst mich…er wird doch hier nicht im Kollaps umfallen…was tun, damit dieses schreiende Etwas, wieder zu sich kommt…die anderen merken das gar nicht, die stimmen immer nur zu! Mein Vater verflucht mich! …ich sitz in der Falle, hier gibt es kein Umdenken und kein Miteinanderreden…die alte Methode der väterlich - tyrannische Durchsetzung greift…was bleibt mir da anderes übrig? ...mit Tränen der Niederlage und zittriger Hand setz ich meine Unterschrift zur Abgabe meines Erbanteils gegen eine „schändige Entlohnung“…derweil ging es mir gar nicht ums Geld, nein, sondern um die Art des Umgangs, der hier so demütigend abläuft!

Die Besucher ziehen befriedigt ab, ich sitz am Tisch und kann es nicht fassen, dass mich die alten Gefühle wieder so vereinnahmt haben, diese Machtlosigkeit gegenüber meinem Vater! Selbst als mir Matthes unsere kleine Mirjam auf den Schoß setzt, spür ich noch Zittern in mir und kann niemandem in die Augen schauen… was hab ich nicht zuvor getönt, was ich alles an Argumenten bringen werde, wenn sie erst mal hier sind!…und nun?...stattdessen war ich unfähig, genauso zu brüllen, nein, machte mir auch noch Sorgen um den Zustand meines Vaters!...und mein verdammtes „inneres Kind“ konnte kleinlaut in Erscheinung treten…